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Einen Bärenhunger haben

Die Winterzeit hat es so an sich, die überladenen Sommererlebnisse verblassen zu lassen- so versinkt auch eine Anekdote bald in Vergessenheit, welche, oft erzählt, zu den Meilensteinen satirischer Vermischung eigener Realität und schnöden Alltagsgeschehen im deutsch-demograusamen Fernsehprogramm gehört.
Die Geschichte vom Doppelmord an Bruno, dem dicken, Schäferstündchen haltenden Braunbären, dem Ersten seit 170 Jahren, der das Land der Eichen und Denker besuchte.
Beide Morde lösten eine Welle der Entrüstung aus- der noch nicht an Informationsüberflutung bedingter Amnesie leidende Leser möge sich noch erinnern- dem einen Mord in einem beschaulichen bayrischen Wald antwortete ein rasender Mob stadthafter Naturfreunde. Die Jäger, die dem kleinen süßen mordlüsternen Bären eine Kugel schenkten, standen am öffentlichen Pranger und waren die Zielscheibe wüster Todesdrohungen.
Ganz Deutschland schien über den österreichischen Braunen zu trauern, und doch, trotz Hinweise, man möge doch die Fahnen in Bayern wie in der Back To Nature Republik Germany auf Halbmast setzen, wehten im Rausche der Fußballweltmeisterschaft unzählbare schwarz-rot-goldene Lappen. Die braune BarBärei, der massenhaft unschuldige Bauernhoftiere zum Opfer fielen, wurde in Deutschland wie immer lautstark bejubelt.
Was viele nicht wissen, dass der Mord an Bruno dem Bären nur vorgetäuscht war, und dem ersten, gestellten Mord ein zweiter folgte- nun, die Rolle der Wilderer im Namen der Zivilisation fiel letztendlich uns zu.

Es war diesem herrlichen Sommer eigen, die Antriebskraft der Reiselust in Gang zu setzen. Das Campen war auch schon von jeher die einfachste Möglichkeit, diesen unbegründbaren Trieb zu befriedigen, und im Schatten brandenburgischer Kiefern schlugen wir unsere Zelte auf. Da war sie, der Traum einer unberührten ostdeutschen Idylle- der FKK Bereich war noch intakt, bierbäuchige Dauercamper lagen faul auf echt deutsch demokratischen Liegestühlen, und in einen weißen Plastikstuhl gezwängt, saß da am Camping Eingang ein übergroßer Stoffteddy.
„Das ist aber ein großer Bär“ sagte ich zum Campingplatzpapa.
Einem beharrten, wohl fast fünfzig jährigen Wesen mittelgroßen Baus, das immer eine Schaufel auf seinem Rücken trug, und das mit seiner lahmen Sprechweise, die etwas an fortschreitende Hinterwaldverblödung erinnerte, eine perfekte Karikatur eines deutschen Michels abgab.
„Das ist Bruno der Bär, wir haben ihm Asyl gewährt“
Oh ja, ich bin in einem Brandenburger Asylbewerberheim gelandet, nur leider gefüllt mit echten Brandenburgern und einem Bären, der ein überbreites Grinsen aufgesetzt hatte.
Wie leid sie mir taten- besonders Papa, dessen labbriges rosa T-Shirt mich an die Altkleiderspende erinnerte. Nein, so was- wie fühlt man sich nur mit diesem Ding, da tropft ja der Schweiß raus.
„Asyl? Das ist aber großzügig von ihnen. Hat er auch schon ein paar Tiere verspeist?“ Ich deutete auf den Camp eigenen Streichelzoo.
„Nein“ er schüttelte bestimmt den Kopf, „Bruno ist ein ganz friedlicher Bär.“
Thomas kam daher, begutachtete den Bären, sah mich, und fragte Papa:
„Was bitte ist das?“ Er zeigte auf den Grinsebären.
„Das ist Bruno der Bär, wir haben ihm Asyl gewährt.“
„Ach wirklich?“ Wir versanken in der Betrachtung des starken Bären.
„Der ist aber ganz schön dick. Hat er schon ein paar der Ziegen gefressen?“
Papa, ganz besonnen:
„Nein, Bruno ist ein ganz friedlicher Bär.“
„Und was frisst so ein...Tier?“
„Die Unterwäsche der Dauercamper“ flüsterte ich.
„Nur gesundes Gemüse“ antwortete Papa.
Ich wusste, bereits, als ich sein hämisches Grinsen das erste mal mitbekam, dass hier eine Feindschaft zwischen uns vorlag. Vorerst, klar, machte ich gute Miene zum bösen Spiel, aber- so wirst du mir nicht davon kommen, Bruno. Ich weiß um dein schreckliches Geheimnis- und, ich werde der Rächer deiner unschuldigen Opfer sein.

Im Laufe unserer Anwesenheit wurden wir nicht wenig bekannt- es ging das Gerücht unter den alt eingesessenen Campern um, dass wir ganz unsittliche Geister wären. So hatten wir uns schon nach zwei Tage etliche Ruhstörungen eingehandelt, eine geknickte Laterne, ein kaputtes Leihfahrrad, süßlicher Duft von verbrannten Grünzeugs, und eben eine Form der Sodomie, die man uns wohl am übelsten nahm- dem Mord am Maskottchen.
Zu bemerken wäre, dass wohl die meisten Unfälle auf meine Wenigkeit zurückzuführen waren, einschließlich dem Vorhaben, einen großen Müllberg aus Dosen, Flaschen und altbackenen Brötchen entstehen zu lassen.
Mein Namenspartner Timor- von mir spaßhaft verächtlich nur Timor II genannt- bemerkte dazu, dass es seitdem auf dem Campingplatz bis zum Himmel stinke. Darum waren die Ordnungsmenschen unserer Gruppe auch ganz eifrig dabei, mich zu tadeln, und gaben mir den Hinweis, dass die Campingmama- richtig, die gleichfalls blöde Frau von Papa- bereits ein Auge auf uns werfe.
Mama hin, Papa her, eines jedoch behielt auch ich noch im Auge, und ich hatte dabei eine Gehilfin, im Doppelpack bereiteten wir uns eines Abends auf die schändliche Tat vor- in dem wir zusammen eine Flasche Ouzo leerten und unserer nüchternen Urteilsfähigkeit beraubt, den Weg zum Campingeingang hinauf liefen.



Ich sagte noch: „Sieh doch, dort sitzt Bruno der Bär“, als meine etwas höher gewachsene Freundin Gerda, im Rausche des Gefechts und mit einem „der dumme, grinsende Bär starrt mir genau auf die Brüste“ auf den Lippen dem Braunen einen tritt in die Genitalien gab.
Puff
„Das hast du nun davon, du dummer Bär“ und ich war stolz und zugleich neidisch auf Gerda, die sich gewagt, was ich mir in meinen wildesten Träumen nur ausgemalt hatte. Das Ding war, natürlich, noch am Leben und es mangelte ihm nur an Worten, seine Wut über uns auszudrücken- hätte er seine animalischen Triebe aktiviert, wäre er samt seinem Versteck für überfütterte Dauersträflinge( ihr wisst schon, die bierbäuchigen Ossicamper) aufgeflogen. Er unterdrückte seinen Ärger, und grinste uns nur weiter frech in die Augen.
Was sollte es. „Du, Gerda. Ich glaube, ich muss mal...“ Sie nickte nur verständig und ging einen Schritt zur Seite.
Ich nahm Anlauf, holte mit meinem rechten Bein aus und trat Bruno, treffsicher und gekonnt- vielleicht sollte ich doch Fußball spielen?- in die... Schamgegend. Er griente noch immer.
„Ich auch noch mal“ und wieder: puff- währenddessen streichelte ich dem Bären brav die Wangen und gab ihm eine Backpfeife.

„So, das genügt“ sagte Gerda schließlich, doch schon im Abgang begriffen, drehte ich mich noch einmal um, und gab dem Bären eine Salve von Eiertritten, dass es nur so krachte- „da, sieh doch“ und Gerda deutete auf seinen Schritt, aus dem kleine weiße Schneeflocken raus fielen“
„Ist er gekommen?“
„Die Nähte, sieh doch, die Nähte sind geplatzt“ Ich wollte gerade noch eine zweideutige Anspielung über die Sexualfunktion der maskulinen Tiere machen, als mir der Ernst der Lage bewusst wurde.
„Er ist tod“ sagte Gerda schließlich und mühte sich vergebens die Wunde zu verdecken, in dem sie das weiße Pappmache in das Loch stopfen suchte.
„Um so besser“ und nachdem wir die Wunde notdürftig geschlossen hatten, machten wir es uns auf einem kleinen Ruderboot bequem.
Wir beschlossen den Abend mit einer Plauderei, während wir im geradezu magischen Vollmondlicht den Alkohol austranken, hin und her geschwenkt wurden im Spiel der Seewellen, und zu einer frühen Stunde endete unser Mordkomplott auf unseren Schlafsäcken.
Der nächste Morgen war die Hölle.
Thomas erwachte als erster, und, indem er in meine verquollenen Augen starrte,: „Was hast du gestern noch gemacht?“
„Naja, ich habe mich mit Gerda betrunken und dann... . Nein, dass erzähl ich dir ein andern mal.“ „Nein, jetzt sag mir schon, was habt ihr gemacht?“
„Ich werde es dir noch sagen“ „hm“, murmelte er und warf mir noch einen verdächtigen Blick zu. Dann verließ er das Zelt und trat in die Morgensonne hinaus.
Ich lag noch eine Weile halbtrunken im Schlafsack, als die Tat an dem braunen Sack, dem man in die Säcke getreten hatte, Furore machte.
Als erstes vernahm ich nur eine leise, quietschende, aber leider eindringlicher werdende Stimme.
Einer unserer Camperinnen verkündete außer Atem: „Jemand hat Bruno den Bären ermordet. Das ganze Camp ist auf den Beinen und beschuldigt uns, den Bären getötet zu haben. Die Campingmama ist stinksauer auf uns und hat gedroht, uns vom Platz zu werfen“
Das Getuschel ging los.
„Psst, was hast du letzte Nacht noch gemacht.“ „Nichts, und du?“ „Auch nichts.“
Einer- gut, Eine konnte sich natürlich nicht zurückhalten, und rief prompt aus:
„Das war bestimmt Timor!“
Ein Junge aus dem Nachbarzelt aber blockte ab: „Timor ist gestern vor mir eingeschlafen, der kann es gar nicht gewesen sein“ Ich musste mir das Lachen verkneifen, und dem unheimlichen Glück dank dem einmaligen Fall einer Namensverwandtschaft huldigen, das mich vor unnötiger Fragerei verschonte.
Timor II: „Nein, Timor lasst mal bitte aus dem Spiel!“
Im Chor: „Wer dann, wer dann. Wenn es Timor nicht war, wer kommt dann in Frage
Thomas stürmte in das Zelt.
„Hast du Bruno den Bären getötet?“
„Nicht so laut“
„Hast du Bruno den Bären getötet?“ flüsterte Thomas leise.
„Gerda hat angefangen!“ gab ich ihm zur Auskunft.
„Sie hat mich gezwungen, kann man sagen. Er hat ihr direkt auf die...“ ich schaute aus dem Zelt, ob jemand lauschte „...Brüste gestarrt!“
„Oh man, ihr macht Sachen“
„So leicht, wie der Bär kaputt geht, ist der sicher made in China“
„Du bist hier in Brandenburg, Timor. Der ist ganz sicher made in GDR!“
„Naja, jetzt haben ihn die Maden“
„Hach, der ist schon wieder wie neu. Eine fleißige Campingmama weiß, wie man Bären flickt.“
Zorn stieg in mir auf.
„Und jetzt?“ fragte Thomas.
„Schweigen!, oder gewisse Leute unserer Reisegruppe machen mit mir genau das gleiche, wie wir mit Bruno“.

Auf den Weg zu den Waschkabinen traf ich auf Papa. Er hatte wie gewohnt eine Schaufel in der Hand(mich hätte es nicht gewundert, wenn sie das Stoffmonster beerdigen würden) und, als ich ihn freundlichst gegrüßt hatte:
„Jemand hat Bruno den Bären ermordet“ warf er mir in einer weinerlichen Stimme vor.
„Mit so einem Messer“ und er malte mit seinen Händen ein 50 cm langes imaginäres Messer in die Luft.
„Wer macht denn so eine abscheuliche Tat?“
„Ja, wenn ich das wüsste. Mit so einem Messer, sage ich dir- SO EIN MESSER“
Ich ließ den armen, verwirrten Mann stehen und ging meines Weges.
Ich traf auf die Mama.
„Guten Tag“
„Guten morgen“
„Geht es dem Bären besser?
„Ich habe ihn genäht. Das war nicht schön von euch“
„Von uns? Wieso von uns? Die meisten in unserer Gruppe sind sogar Vegetarier. Weiß man denn, wie es wirklich war?“
„Ja, schon gut“ und als sie weiter ging hörte ich sie noch sagen: „Mit so einem Messer. So ein Messer“
Die Camper sahen uns alle schief an. Sie schöpften Verdacht, ganz klar. Besonders die dicken, Brust beharrten unter ihnen.
Da war es nun- das Gerücht der Bärenmörder. Es ließ uns die restliche Aufenthaltzeit auf diesem Campingplatz nicht mehr los. Schlimmer noch- es verbreitete sich über die ganze Republik, und jeder verdächtigte jeden.
„Haben sie Bruno ermordet?“
Trauermärsche, Kondolenzbücher, das große Bärengedenken brach nicht ab.
Dann saßen wir im Kreis, ich war ganz unbekümmert, als ein Mädchen unserer Gruppe den Kopf zu mir herüber drehte und die Frage stellte: „Timor- hast du wirklich nicht Bruno ermordet?“

Ich konnte es nicht mehr unterdrücken- ich brauch aus in Gelächter, sah noch, wie sich die Gewitterwolken um mich zusammenzogen, und gestand unter lauter Geschimpfe die schändliche Tat.
1.3.09 22:14
 


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bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


susi und sofie (17.3.07 13:39)
hey wie war n noch ma der spruch von tobi der sich voll wiedersprochen hat??

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