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Der Laternenanzünder

Eine Tram, Straßenbahn, in voller Fahrt, keine Haltestelle hält sie auf, sie saust durch die Nacht. In ihrem Innern, die Fahrgastkabine, Sitze und Bänke zum Sitzen, Stangen oben, längs der Form, zum Festhalten, was notwendig bei ihrer schwinden Fahrt ist: wer sitzt und steht und sieht heraus aus dieser Straßenbahn? Ein Herr in jungem Alter, der zur rechten Seite sitzt, als einziger im Sitzen auf den Sitzen, im Stehen eine Frau ganz nah dem Herrn von jungen Jahren, selber jung, aber nicht ganz so, wie der Herr: mehr am Ende des Lebensjahrzehnt.
Beide starren sich an. Ihre fixierten Blicke versteinern den Raum zwischen ihren Augen zu einer Luftsäule, die solange ihre blicke trägt, als sie auf dem andern liegen. Wer soll ihre Blicke deuten?
Ein Fahrer noch, blond, einsam in der Fahrerkabine, außer ihm(ein Tunichtgut, der garnicht weiß, wie er zu dieser Arbeit kam, die Straßenbahn zu dienen) kein anderer, Mensch oder Freund oder Kollege.
Die Straßenbahn fährt in einen Tunnel.
Dunkel wird es in der Fahrerkabine, und mit dem Licht schwindet der Grund der Blicke. Das ist der Augennichtblick, der den Säufer hervorhebt, der in abwechselndem Lallen und Schnarchen auf dem Boden der Tram sein Dasein fristet. Nur ihn hört man jetzt, und die Geräusche der Straßenbahn.
Ein weiterer und noch ein weiterer Herr muss genannt werden.
Da hockt in einer Ecke ein hagerer Typ mit blassen Taint, lodrig gekleidet, unordentliche Reihenfolge, Textilien von unterschiedlicher Art: Ein ergrauter Mantel, der offen ist, darunter ein Hemd, aber ganz andere Farbe- Rot. Ein schäbiger Hut, dem die Krempe fehlt, zwei Schuhe, die, zwar in selber Form, von unterschiedlichem Verfall sind. Der linke ist schmutzig, und mehr noch, der Dreck verkrustet, bildet Schichten über Schichten und rechts vergilbt die Farbe, alles in allem: unordentliche Reihenolge, abgenutzt, vergessen, verzerrt. Doch stolz ist er, die einbrechende Dunkelheit im Tunnel mahnt ihn zur Arbeit, die zu tun seine Aufgabe war, seit er das Licht der Welt erblickte: er ist der Laternenanzünder.
Aus der Hocke kommt er in den Stand, die Stange mit der Kerze in der Hand, und zündet eine nach der andern der hängenden Laternen an, ein flackernd Licht erfüllt die Bahn, der starre Blick ist milder nun, der Säufer, auf der Seite liegend, erwacht von seinem Schlaf- die leere bierfalsche rollt zum andern Ende. Der Fahrer bremst langsam und ein zweiter Herr, der zweite Herr, der Schlüsselträger, der gegenüber dem Laternenmann saß, steht und schließt den Raum zum Fahrer auf.
Der junge Herr küsst die junge Frau. Dem Fahrer hinterher steigen sie, der Säufer und die Frau, der Mann von jungen Jahren aus der Bahn, die kurz nach dem Ende des Tunnels zum Stillstand gekommen ist. Morgenrot. Der Laternenanzünder lächelt, draußen liegt die Welt in freundlichem Schimmer.
6.8.08 11:29
 


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