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Liebe- wie viele Verse musste dieses Wort in der Geschichte der Schrift schon leiden? Ein jeder, noch kaum des Lesens und Schreibens mächtig, versuchte sich an ihr, und viele stieß sie, die Unberechenbare, mit verbrannten Fingern wieder ab. Und doch verzaubert ihrer Dichtungs Höhen Massen schwärmender Geister- und diese brechen ja bekanntlich am 14 Februar selbst zu Höhenflügen auf.
Der Valentinstag- und der Rummel um die 24 Stunden in Eros Gewalt(im eher ungemütlichen Winter) ließ dieses Jahr auch Marius nicht kalt. Er erwärmte sich für die Liebe bereits vor einigen Wochen, als er auf eine Zeitungsannonce mit vielversprechendem Inhalt aufmerksam wurde:

„Schreibe ein Liebesgedicht als Sms zum Valentinstag und gewinne eines von 5 Mobilfunktelefonen. Maximal 220 Zeichen...“

Ein neues Handy für eine blumige Liebeserklärung- dass wäre doch machbar. Mehr noch, Marius fand diese Idee außerordentlich ansprechend. Hatte er doch sein Handy gerade verloren- wohl am Rand des Schwimmbeckens; Es könnte auch noch in den Umkleidekabinen sein, vielleicht auch im Bus zur Schwimmhalle- oder aber es lag mal wieder unter seinem Bett. So investierte er eine halbe Stunde geistiger Arbeit, strich hier ein Wort weg, ergänzte dort eine Zeile, reimte und zählte ab auf 217.
Senden?
Nachricht gesendet!

Dein Herz in meiner Hand,
ist nimmer mein,
du borgst es mir,
verdank ich dir,
dass ich das Liebste fand?

Könnt es der Gleichklang sein,
der`s Pochen lässt
wie Amors Lied,
und ich geriet
vor Freude außer mich.
Dein Blick gab mir den Rest,
mein Schatz, ich liebe dich.

Liebe lohnt sich also doch. In Form eines roten Handy, das Marius nur eine Woche nach dem Einsenden des Gedichts in seinen Händen hielt. Seine Finger- sie wussten es sehr schnell zu bedienen, und ertasteten sich durch die Funktion der „Spiele“ - Marius stellte bald erste Rekorde auf- der „Töne“, und er konnte es kaum glauben, Mozarts Anfang der Kleinen Nachtmusik tatsächlich als Musik wahrzunehmen, denn als mechanisches Mono Ton Stück- bis er, Wunder der Technik, die Klappfunktion entdeckte und das Ding zur Seite legte!
Zum selben Moment klappte noch etwas anderes auf:
„Dein Kaffee, Marius“
Seine Mutter schlängelte sich durch das Zerwürfnis seines Besitzes, überging so nebenbei Meilensteine der Weltgeschichte(Hard Cover) und Die abendländische Philosophie(320 Seiten, illustriert), wie sie ihm, wider aller Vernunft Erkenntnis, ihm, Marius, eine halbe Stunde vor Zehn Uhr Abends, den 13 Februar, eine Tasse Kaffee auf den Tisch stellte. Eine Tasse, an der er zunächst nur vorsichtig nippte. Schon bereitete er ein inneres Tadel für seine Mutter vor, aber beim Feststellen des Süßegrades war er durchaus zufrieden- sie wusste, wie er es mochte. So trank er denn, halb vor zehn, Abends, und die Tasse leerte sich- und in diesen Minuten der stillen Askese, in denen er sich vollständig in den braunen Fluten verlor, die seine Speiseröhre hinunter flossen- kaum zufällig tauchte das Bild eines afrikanischen Sees in Marius Kopf auf- betrachtete er auch die Tasse in ihren Eigenheiten.
Es war nichts besonderes weiter an ihr: Rot, dass ihrer Form ein Apfel aus dem Märchen glich, doch nicht grimmiger Schlaf, Wachheit war ihr Zweck- „Gefällt dir die Welt?“ stand daher auch in schwarzen, schnörkellosen Lettern am oberen Rand, der hinein führte in die kaffeeanischen Tiefen.
„Ja“ flüsterte Marius.
Er trank etwas hastiger, der Kaffee war gerade wohl temperiert, wieder las er, und antwortete er.
Gefällt dir die Welt
„Ja, mir gefällt die Welt. Sehr sogar. Manchmal mehr, manchmal weniger, manchmal könnt ich sie zertreten-„
er sprang, erregt und angeregt vom Koffein, auf den Schreibtisch, seine Tasse war fast geleert, legte eine Compact Disc in den Musikspieler auf dem Tisch ein und- Mozarts kleine Nachtmusik, in Polyfon Ausgabe, schallte und umgarnte seine Ohren.
Gefällt dir die Welt?
Der Grund der inzwischen ausgetrunkenen Tasse ließ durch den braunen Bodensatz, deutlich und wieder in schwarzen Buchstaben, durchleuchten:
Du bist ihr Held!
Erfüllt von den Worten schwang er zur Bestätigung einen Holzlöffel durch die Luft, diriegierte das mozartische Orchester im Takt des Spaghettimonsters, dessen Blut, rote Tomatensauce, sich noch ansatzweise an dem Löffel befand.
Er überbrückte gut dreißig Minuten- Marius verstand es gut, sich die Zeit zu vertreiben: Doch während er noch kindisch durch sein Zimmer tollte, sprang der Zeiger der Uhr von Sekunde auf Sekunde.
`Tick, tack, tick, tack` und wie dieser wanderte auch sein Auge durch den Raum, planlos aber von einer Ahnung getragen, die einer in Vergessenheit geratenen Sache geschuldet war. Sein Blick durchfuhr minutenlang das Archiv seiner über Jahre gestauten Gegenstände, und es waren etliche Schichten dieser, die er durchdringen musste: Staublagen in länger nicht besuchten Regionen deuteten noch die Fülle, die ihn überfiel. Zwischen all diesem, gestammelte Werke, zerbrochene Träume, langjährige Lasten, steckte die notwendige Assoziation:
aber ja. Er sah das rote Handy, und wie es aufblitzte, 13. Februar, eine Nacht vor dem Tag, dem er doch schon etwas zugesagt hatte. Da erinnerte er sich wieder an den frostigen Donnerstag Nachmittag, und nur kurz leuchtete seine kritzelige Handschrift in Gedanken auf.
0162/43177888843.
Freudig hielt er den Zettel in der Hand, auf dem er einst noch den Namen hinzugefügt hatte: Annika.
„Liebe Karin, ich wollte dich fragen, ob du...Nein“
„Annika, hättest du nicht Lust morgen, ich meine also, ähm, Ja, hast du morgen schon was vor, denn dann hätte ich dich gefragt, mit mir- NEIN, NEIN, NEIN!“
In Rage- , trotz ihres wohlwollenden Zuzwinkerns bei ihrem letzten Treffen getraute er sich nämlich nicht, die Nummer einzugeben und das schwierigste vielversprechende einfach zu sagen, mutete er seinem Fuß die Gegenkraft einer Schranktür zu. Noch im Aufschrei über den stechenden Schmerz, hüpfend auf dem einen, heilen Bein, wiederholte er die Nummer „0162“, erschienen die Zahlen auf dem Bildschirm des roten Handy.
Dann drückte er den grünen Hörer, um nur sofort wieder aufzulegen, wissend, dass es jetzt passieren musste, oder er konnte eine weitere verpasste Chance auf sein Konto der ungenutzten Möglichkeiten verbuchen.
Würde er es wagen, was konnte schon passieren? Wahrscheinlich wieder die übliche Kette von Ereignissen- vielleicht eine romantische Schwärmerei am Strand, ein schöner Tag auf Flur und Wiesen, über hübsche Grade wandeln mit der Einen, die er zum Abend hin begleiten darf, um das Ganze in unvergessliche Peinlichkeiten münden zu lassen. Nein. Wieder verschwand die Nummer von dem Display, und das Handy klappte zu.
Saß er aber wieder, im lähmenden Schlummer des Aufgebens auf seinem Stuhl, schreckte die rot glänzende Fratze des mobilen Telefons seine Gedanken, seinen Körper auf- das anhaltende Leuchten der Tasten wie die Lichtreklamen auf den `Straßen der Nacht` von Millionenstädten, gleich diesen das unablässige senden einer Botschaft, und sei es die, das uneingelöste Versprechen, Karin auszuführen, zu erfüllen: 0162.
„Marius“, sagte die Mutter, die wohl ohne anzuklopfen die Tür und damit die Pforte zu seinen intimen Gemächern geöffnet hatte. Sie machte aber keine abfälligen Bemerkungen über das wüste Chaos, nur eines schien ihr wichtig zu sein, Marius das Telefon zu übergeben: „Telefon, für dich“
Er nahm seiner Mutter das Telefon aus der Hand, die sie dann zurückzog mit der Klinke der Tür; In den Sekunden, die von dem scheppernden Schall des Zuschlagens der Spannung stieg mit jeder Verringerung der Distanz zum Ohr.
Die Drähte der Telefonleitung hielten stand, doch am anderen Ende tat sich keine Regung der Stimmlippen- auch ihm steckte das erlösende Wort „Hallo“ in der Kehle , und als er es dann herausbringen musste (- sonst wäre die ewige Zeitspanne seines subjektiven Empfindens objektiv geworden und dem anderen, der ja auf den Wechsel des Telefonpartners atemlos warten könnte, bewusst geworden als zögerliche Pein-), sagte Karin schon in schüchternem Tonfall: „Hallo Marius“
„Hallo, Karin“ und während die nachtragenden Worte sich lösten, fielen sie nicht etwa in ein sanftes Bett zu Boden einer tiefen, selbstsicheren Stimme, sie schossen nach oben, als seien die vier Silben `Hallo Karin´ ein Dreiklang mit Vollendung, die aber gleich noch eine Oktave weiter sprang.
Nachdem die Floskeln getauscht wurden, jeder der beiden erfahren hatte, dass es dem anderen gut gehe, führte die Frage, ´warum rufst du an` zu einem weiteren Gesprächsstillstand.
Karin zögerte die Antwort heraus.
„Es ist nämlich so“ fuhr Marius fort „ dass ich dich auch eben anrufen wollte“
„So, und warum wolltest du mich anrufen?“
Marius erinnerte sich an den Wetterbereicht, der schönes Wetter versprach, dass den Februar nicht ganz zu seiner winterlichen Geltung brachte- „Sonne“.
„Ja? Sonne?“
„Die Sonne scheint morgen, meinte ich. Man könnte doch an diesem sonnigen Wintertag, morgen, in Erfahrung bringen, ob es vielleicht schon Erdbeerreis im Café an der Parkstraße gibt“
„Das Café in der Parkstraße wird wohl das ganze Jahr über Erdbeerreis führen! Die Frage ist nur, warum man morgen Erdbeerreis essen sollte?“
„Weil, dachte ich, man ja...“ „auch Schokoladeneis essen könnte“, warf Karin ein.
„Ich mag kein Schokoladeneis“ antwortete Marius- doch was hatte er gesagt? Ihr Hinweis, Schokoladeneis würde ihr `schmecken´, etwas, dass sie gern hatte, wehrte er ab mit: schmeckt mir nicht`, als ob das wichtig wäre.
„Magst du nicht?“ Ich auch nicht. Vanilleeis finde ich auch viel köstlicher“.
„Mit Streusel und Sahne?“
„Ja“ antwortete Karin und er zog diese Antwort wahrlich wie das Aroma von Vanilleeis mit Streusel und Sahne, so süß hatte sie gesprochen und seine mangelnde Empathie überhört, durch die Ohren, als wären sie die Nase.
„Jedenfalls wollte ich dich fragen, ob deine Zeit morgen noch frei ist, um den Tag mit mir zu verbringen- nur, wenn du dazu Lust hättest, also falls du nicht bereits etwas besseres vor hast, womit ich fast rechnen muss bei einer so viel beschäftigten Person wie dir“
„Marius“ entgegnete sie, „ weil ich ja, wie du dich sicher erinnern kannst, diejenige war, die angerufen hatte- „ja, stimmt, ich erinnere mich“ „müsste dir vielleicht aufgegangen sein, dass ich eine ähnliche Frage an dich stellen wollte.
Marius?“
„Ja?“
„Hast du morgen schon was vor?“
Da sang der Chor der kleinen Engelchen, die torkelnd von der Decke sanken, die Ode an die Freude, und die Götterfunken der Strahlen seiner Lampe drangen tief in seine Augen. Sie griffen ihn, der sich noch, schon ohnmächtig vor Freude, rasch verabschiedete, und trugen ihn in träumende Gefilde. Dort legte sie die Gestallt, die noch die Züge von Marius trug, aber schlapp in den Armen der Engelchen hing, auf eine blumige Wiese unter einem sonnigen Himmelszelt. Bald steigen sie wieder zu diesem Himmel und streuten Blumen hinab über seinen schlummernden Körper, ein Blüten Frühlingsregen als Abschied.

Im Augenblick seines Erwachens mischten sich die Eindrücke(- die aber nicht nur von der Mannigfaltigkeit der Wiese herrührten, sondern aus allerlei Einzelteilen unterschiedlicher Art waren, von solch unterschiedlicher, das Vergangenes, auch das just Geschehene und nur noch als vages Gefühl vorhandene, im gleichen Akzent wie das sinnliche Gegenwärtige wirkte- der Akkord von `Jetzt, gerade eben, und Damals-) zu einer Farbe, die sich ins rote Spektrum bewegte und gleich einer jener Modebrillen, die zum Spaß des sinnlichen Vergnügens das triste >Grau so mancher Straßenzüge übertünchten, über seine Augen gelegt schien. Doch verflüchtigte sich bald dieser Farbton, denn schon nach den nächsten Augenschlägen war die Verwunderung da: wo war er gelandet? Aber auch `wo war er gestartet`? Und wer war `er` überhaupt- so sehr ihm die Antwort all dieser Fragen auf der Zungenspitze zu liegen schien, war er nicht fähig zu sagen: Ich bin Marius.
Das dieser Name als Oberbegriff wenig taugte, war das einzige ihm Bewusste. Als ob das Etikett „Tomatenmark darüber hinweg täuschen möchte, dass auch das Fließband, die Erntehelfer, andere Zutaten, der ganze Produktionsweg einer Dose, Blech und Papier, in der Dose stecken.
Marius, das klang ihm fremd und weit wie Tomatenmark made im Orion.
Er erhob sich aus der Form, die sein Körper in die Wiese gedrückt hatte und versuchte, bevor er seine verlorene Identität wieder finden wollte, erst einmal zu gehen, und, - nachdem seine Beine erst das Laufen neu gelernt hatten, herauszufinden, wo er sich nun befand: Die Wiese glich einem getreuen Abbild jener Landschaftsgemälde, die in die Wohnstube gehangen werden, um ein Stück der vergessenen Vielfalt in das Haus zu holen, das dort ein armseliges Dasein fristet, als Puzzelstück eines musealen Wohnraumes, in dem kein Ding eines phantasievollen Gedankens gewürdigt wird, aber auch keines seinen Platz verlassen darf, weil es sonst die gewohnte Komposition à la Tante Ernas Welt durcheinander bringen würde.
Oft drang aber auch aus solchen Gemälden die Gegenwart von Figuren hervor, das Motiv des Sonntagsspaziergang oder des Träumenden, wie auch er hätte eine oder einer sein können. Die Gräser gingen auseinander, sowie er durch sie hindurch glitt, an die zwei Kilometer, ohne das sich das Bild einer ihm gar nicht mehr so farbenprächtig und mannigfaltig vorkommenden Wildwiese sich geändert hatte. Doch so schwer ihm das Laufen wurde, er wollte sich nicht ausruhen, nicht bevor ihm ein Wechsel aufgefallen wäre, der ankündigte: Hier ist Antwort. Dazu kam es nicht, und erst nach Stunden des ersten Schwächegefühls setzte er sich nieder. Er fand seinen Platz auf einem Stein, einem merkwürdig geformten Stein, der aber so weich war, dass er ein Teil eines Baumes sein konnte, dessen Holz wer weiß wie in die hohen Gräser und Sträucher dieser Wiese gekommen war, noch weicher, als würde sein Körper sich in das Fleisch eines schlafenden Tieres drücken, oder gar eines Menschen.
19.4.08 11:57
 


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