Startseite
    Theater
    Alles nicht kategorisierbare
    thougts
    Gedichte
    Erlebnisse
    politic notes
    Kurzgeschichten
    Erzählungen
  Über...
  Archiv
  Gästebuch
  Kontakt
 



  Links
   Taschenlampe
   vorbewusstes
   Nichtidentisches(also nicht mit diesem Blog verwechseln)



http://myblog.de/kaffe-ohne-sahne

Gratis bloggen bei
myblog.de





La vie vol.2

Da sie mir die Zeit knapp gönnen- Sie?- der gegängelte Schulalltag, ist diese Erzählung auch wieder erst im Anfangsstadium, enfaltet aber schon ihre vollen Reize.
Am Anfang war das Wort? Oder die Tat, oder... La vie.

La vie

I hate mondays- wie sich Modemarotten selbstständig machen können und ihre Botschaften zufälligen Betrachtern immer wieder ins Gesicht schlagen. Das waren jene Sprüche, die , mit wechselndem Inhalt, seit einigen Jahren auf den Pullovern und Hemden einer ganzen Schülergeneration prangten. „Tussi“, „Motherfucker“, „Dummchen“- , , .
Und: Ich hasse Montage!
Da hatte sie ja recht, aber musste sie denn meine letzten schönen Erinnerungen an das Wochenende durch ihre innere Einstellung zum „Tag nach Sonntag“ vermiesen? Denn so überwältigte mich auch die dunkle Metaphorik, die nach dem schönen Tag der Sonne die Nacht und den Mond Tag folgen ließ.
Wahrlich fühlte ich mit ihr, aber ich brauchte es mir deswegen nicht ständig wieder bewusst machen:
Wie sie dort saß mit ihrem Sprüchle shirt, leicht zu verstehen ihre Wut- angespannt Stirn und Hand, krampfhaft kampfhaft führte sie ihren Füller gegen das leere Karo Papier und gegen die Matheaufgaben. Dabei waren Quadratische Funktionen und Exponentialfunktionen sicher nicht ihre Stärke: Dafür wanderte ihr Blick all zu oft nach links. Und nach rechts- zu mir, und als sich unsere Blicke trafen, stellte ich erschrocken fest, dass ich auch Montage hasste ,- und Mathematik Testate: Mein Blatt war ja auch leer! Die Arme des Funktionsgraphen wuchsen mir über den Kopf, und umschlungen meinen Geist. Jetzt war auch ich gezwungen, obwohl ich nur ein einfaches rotes Baumwollhemd trug, ohne jeden tiefsinnigen Gedanken als Leitspruch, nach rechts zu schauen:
I hate numbers. Die Acht, Sechs, Neun und Null lachten mich aus. Wenigstens die Eins hielt ihren Mund.

1. Erstens: Gehe Sonntag Abends nie zu spät in dein Bett!

Ich gab das leere Papier ab, eine wirre Zusammenkunft betrunkener Zahlen, die mehr mit meiner Bierrechnung am Samstag Abend zu tun hatten, als mit der Lösung der gestellten Aufgaben. 45 Minuten dauerte diese Stunde.
Danach hatten wir: 45 Minuten, na?
Mathe.
Erdkunde. Deutsch. Chemie- Krach bumm Beng- wurde ich zu guter letzt, nach einem misslungenen Experiment(ich hatte wohl Säure mit Base verwechselt) ausgebrannt in den Informatikunterricht geschleudert.

2. Zweitens: Verwechsle nie 1 und 0 bei einem Computer.

Ein binäres Chaos gab meinem Verstand den Rest- ich drücke mich lyrisch aus:

Der Zustand des Computers glich dem Zustand des Verstandes:
Erst kam der Kurzschluss, dann der Stillstand und zu guter Letzt-
Der Absturz.
Ich schaltete wie gewöhnlich nach einiger Zeit ab in der Schule, in den Leerlauf, von einer unbeschreiblich langwierigen monotonen Welle getragen: irgendwann wird jeder Moment gleich, und Deutsch, Mathe und Erdkunde nehmen die Farbe eines Grautons an, den irgend ein einfallsloser Maler auf die Hornhaut meiner Augen gekleckst hatte. Ich wollte fast sagen, ich bin blind. Hilflos trotteten mein Körper und Ich auch an diesem Montag von A nach B, Raum 304 in Raum 120, zur Bushaltestelle- von dem Ort meiner Schule, bewusstlos geführt durch eine Maschine, in das kleine Dörfchen, das stolz den Beinnamen –Da, wo ich wohne- führen darf.
Noch wollte ich mich aber nicht abfinden mit dem Gedanken, dieser Tag wäre wie jeder andere. Ich glaube nämlich nicht, jeder Tag ist wie jeder andere: Das halte ich für ausgemachten Selbstbetrug. Manchmal denke ich, es ist umgekehrt: Jeder Mensch ist wie jeder andere, und daher legt man sich die Ausrede zu, der Tag wäre Schuld und immer gleich.
Der Mond Tag. Der Dienst Tag. Die Sonne. Der Amerikaner. Die Maschine.
Ich? Ich suchte wieder mal ein Wort, wie ich es nannte: Eines, dass ich über den Alltag hin vergaß.
Nicht so, dass ich es nicht mehr wüsste, der Buchstabenlaut, sein sprachliches Pendant in anderen Sprachen- ich suchte im Übrigen auch die französische Version dieses Wortes, da sie mir besser klang- nicht das war es, was mir verloren ging. Ich meinte die Erfahrung, die dem Wort zu Grunde lag. Das, was das Wort „bedeutet“.
Sein Inhalt war mir nämlich abhanden gekommen, und ich trug nur noch die leere Hülle mit mir herum.
Eine Worthülse, wenn man so will.
Ob das denn nicht identisch wäre, Wort und Inhalt? Ich würde mit der Frage, etwas variiert, antworten.
Es ist nichtidentisch.
Und warum mich das interessiere?
Sie sollte es eigentlich interessieren, lieber Leser. Denn ich will ihnen hier nicht etwas halb gekochtes auf den Teller legen.
Ich suchte also den Löffel, die Sauce, das Fleisch und die Kartoffeln allemal, all das was man so benötigt für einen literarischen Text: das Werkzeug. Und wenn ich ihnen flüstern würde, dass dieses Wort im Prinzip alle Wörter umfasste? Sie würden mich auslachen und würden sagen, das Wort Wort umfasst alle Wörter. Touché.
Es- wird sich zeigen.
Da, wo ich wohne, dass war im Besondern ein Haus, und ein Zimmer. Es war ein Stuhl, auf dem ich saß, als ich mir langsam das Grau von den Augen putzte und das gekochte Essen meiner Oma vom Teller nehmend verputzte. Es war ein Stechen im Spargel mit der Gabel, noch dazu ein Schnitzel, eine Art paniertes nacktes Fleisch. Ich legte bald die Waffen nieder und fand meinen Mittagsfrieden durch zwei ältere Boxen eines Plattenspielers. Es war Frédéric Chopin persönlich, der sich dazu bequemte, aus seinem Seelenfrieden auszutreten(da man diesen örtlich immer noch nicht genau ausmachen kann - auf Grund fehlender technischer Mittel, mangelndem Verstand oder weiß Gott und/oder die Stringtheorie-, nehmen wir an, dass er sich entweder in der Kirche zum heiligen Kreuz in Warschau befindet- wo sein Herz aufbewahrt ist- oder auf dem Friedhof Père Lachaise in Paris, auf dem sein Leichnam begraben liegt), um mir, einem vom Schulstress geplagten Brandenburger Schüler, einige zarte, romantische Weisen zu spielen. Chopin gab nichts vor, außer kaum etwas aussagende Standartnamen wie Klavierkonzert Nr.2 f-moll op.21 oder Klavierkonzert Nr.1 e-moll op.11.
E-moll und f-moll, fis-moll, cis-moll, ah- As-Dur. Die ersten Takte belebten meine Phantasie. Es ging noch weiter, die Melodie ersetzte nach und nach die monotone Welle, das Grau in Grau, und im gleichen Moment drangen die ersten Farben und Erinnerungen wieder in mein Bewusstsein. Genau: Der Tag sollte anders werden.
Ich wollte schreiben: „Nicht schreiben und dabei Lust, Lust, eine schreiende Lust zum Schreiben in sich haben!“ so Kafka in einem Brief an Felice Bauer, 1912. Das meinte ich. Lust zum Schreiben. Ich spürte Chopin, die abgedrängten Gedanken der vergangenen Wochen und Monate(in denen ich das Wort, besser seinen Inhalt verloren hatte- verloren gehabt zu haben glaubte) und so fuhr die Nadel des Spielers die Rillen ab, Runde für Runde, das ganze Programm. Ich brach auf. Eine Promenade, denn beim Wort Spaziergang wäre ich wieder einer allegorischen Beschreibung verfallen- so wie: Ich flog aus wie ein Spatz auf fleischigen Stelzen. Als erstes aber stieß ich gegen eine Wand aus schwüler Luft.
16.5.07 18:00
 


Werbung


bisher 2 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Sascha himself (6.10.07 19:06)
Erste Sahne! Der Text gefällt mir gut...


deine mutter (6.10.07 19:38)
alta... "nur ein einfaches rotes Baumwollhemd"?? verarschen?
du hast gar kein anderes
achso ja doch. HAHA!

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)



 Smileys einfügen



Verantwortlich für die Inhalte ist der Autor. Dein kostenloses Blog bei myblog.de! Datenschutzerklärung
Werbung