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http://myblog.de/kaffe-ohne-sahne

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Tonaufnahmen

Ich möchte demnächst einige Sachen von mir aufnehemen, um sie dann im Internet zu veröffentlichen, und wollte hier, jetzt, auf der stelle- in Der Kommentarfunktion- von euch(ihr anonymen Blogbesucher) wissen, ob es da Interesse gibt und... was eure "Top 5" sind.

kaffe ohne sahne (obwohl ich meinen Kaffee immer mit viel Milch und Zucker trinke- die Entstehung dieses Namens bedarf wohl mal einer eigenen kleinen Anekdote´)
2.2.08 21:19


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Stop The Bomb
3.2.08 17:42


mp3 Aufnahme: Die Laterne

5.2.08 11:40


Der Floh und sein Wirt

5.2.08 11:49


Selbstfindung

Wer zu sich selbst finden möchte, ist schon verloren. Die Aufgabe wäre doch, aus "sich selbst" zu finden.
10.2.08 09:18


Ein Spazierstock

gewidmet Robert Walser und demjenigen, der mich auf ihn aufmerksam gemacht hat.

Ich habe niemals einen Spazierstock zum spazieren ausgeführt: Ich besaß einen solchen niemals und nimmer mehr- selbst in meinen unbewusstesten Träumerein träumte ich eher vom Fliegen als vom Spatzieren mit einem Spatzierstock.

Dieses eigentümliche Verhältniss zwischen mir, der niemals einen Spazierstock besessen hatte, und dem Spatzierstock, der niemals in meinem Besitz war und darum nicht mein Spatzierstock jemals gewesen war, noch gehießen hatte, rührt, wie ich darüber sinniere, wohl aus einer Verstocktheit anderer Art. Ich war ein Wanderknabe in meinen jungen Jahren, rastlos marschierend, war ich eher auf einen Wanderstock- zu dem ich alerdings eine Bziehung hatte- angewisen, als auf die leichtfüßige Funktion eines Spatzierstocks.

Wenn ich gerade während des Erzählens ins Stocken gerate, dann aus folgendem Grunde: Mein Wanderstock hatte leider einen sehr zwiespältigen Charakter, und damit meine ich nicht nur, dass die Stadtwappen, von den Städten, durch die er mit mir- durch die ich mit ihm gewandert bin, westlich und östlich waren- er ist mir zerbrochen!
Ich bin darüber nichtmal traurig, da er viel zu grob und schwer war und er mich nur vom Kauf eines Spatzierstocks abhielt, da sein Anblick, seine durch Orden ausgezeichnete Würde, mir meine Schuld, die ich begehen würde, wenn ich ihn versetzen und mein Leben dem Spatzierstock widmen würde, vorhielt:
Doch nun zerbrach er in zwei Teile- ich bin daran zweifelsfrei unschuldig, es war ein Unfall, nichts weiter.
Nichts weiter!

Dort kommt ja die Frau von der Post in ihrer Uniform- was sie mir bringt?
"Ein Paket für sie" "Für mich?"
fragte ich sie, und sie sagte:
"Für 12 Euro Nachnahme"

Ich darf nun feierlich verkünden, dass ich Besitzer eines besonderen Gegenstandes bin: Mir wurde, nämlich durch die Post, ein Paket gesendet, dass, als ich es auspackte, sich als ein besonderes Stück Stock entpuppte.

Ich nenne es "mein Spatzierstock" und werde gleich, nachdem ich aus dieser zerbrochenen Tasse meinen Tee ausgetrunken habe, ins Freie hinaus treten, und aller Welt zeigen, dass ich nun auch stolzer Besitzer eines Spatzierstocks bin!
10.2.08 10:18


Im Kaffeehaus

Ich sah einmal eine Dokumentation über eine postsowjetische Stadt am schwarzen Meer(Odessa)- neben den typischen, vor Harmonie Bedürfnis triefenden, positiven Worten, mit denen der Kameraschwenk durch die Stadt begleitet wurde, Worte, die den im ewigem Widerholungsrythmus festgesetzten gesellschaftlichen Lauf der täglichen Geschäfte veredeln, waren die Gestallten selbst, die da Träger des neuen Selbstbewusstseins sein sollten, von einem merkwürdigem Verständnis von Glück, von "Lebenssinn" beseelt:
Da sah man einen Bootsführer, der den lieben langen Tag auf die wenigen Touristen, die in die Stadt kamen, wartete und sich für diesen Zweck- die Wartezeit zu vertreiben- eines jener modernen Musikhandys zu legte, auf dem er immer wieder ein Lied abspielte- Wind of change von den Skorpions.
Das dieser wind of change so gleich und differenzlos ist, dass noch der Wind vom schwarzen Meer eher eine Briese von Freiheit und Veränderung mit sich trüge, als der in monotoner Dauerschleife abgesielte ever green der deutschen Rockband The Skorpiens, fällt weder dem Bootsführer auf, und erst recht nicht den "Dokumentaren", die mit dem zweifelhaften Anspruch arbeiten, das je Partikulare, „eigene“, wie dem "kulturell besonderen", als absolutes, unantastbares zu betrachten- ohne eben darin die "Ideologie" zu sehen, die darüber betrügt, dass, wie Adorno im Vorwort der Minima Moralia es formulierte, "unmittelbares Leben" nicht mehr existiere.
Der Schritt vom Besonderen zum Allgemeinen vollzieht sich in dieser Dokumentation dann prompt, als vom Hafenradio berichtet wurde: Die Hafenarbeiter dürfen „selbst“ bestimmen, welche "songs" während des Arbeitstages gespielt werden, und wieder hört man in einer kurzen "Totalaufnahme" von der Hafenanlage aus allen dort installierten Boxen die "Top of the pops" spielen, dudeln:
Nun wird das Individuelle wieder allgemein verbindlich für jeden Hafenarbeiter(auch wenn jeder über seine höchst individuelle Musik mitentscheiden darf),und statt der Frage des Einzelnen, ob er überhaupt ununterbrochen Unterhaltungsmusik hören möchte, bleibt nur die Frage der Hafenradioredaktion übrig, welches Lied in einer für ihn eng bemessenen Zeitspanne er hören möchte- noch dazu im prozentualen Durchschnitt.
Die scheinbare Unmöglichkeit der, wie auch immer intensiven, abseitigen Erfahrung während der Arbeit,- das „aha“ Moment über die Sinnlosigkeit der Arbeit und Produktion als Selbstzweck, der jedem Menschen, unabhängig von Geschlecht, Alter, Klassenzugehörigkeit oder „geistigem Niveau“, als Potential der Reflexion inne wohnt- und sei es das Eingeständnis der Stumpfheit des Alltags, die eben durch jene Wiederholung im Arbeitsprozess gekennzeichnet ist- wird durch die musikalische Untermalung noch verdoppelt.
Wie die songs sich wiederholen, nicht nur im Programmablauf, auch und besonders in ihrer Form und Struktur,
gestaltet sich auch die Arbeit: und vielleicht denkt ein Arbeiter grimmig, dessen Musikwunsch vielleicht nicht der absoluten Mehrheit entspricht, dass er wieder daran gehindert wird, seine musikalische Idee, die er am Abend an seinem alten, etwas verstimmten Klavier hatte, weiter zu spinnen.
Nicht ist es so, dass mich daran irgendein individuelles Glück stört, welches doch bereits durch den „humanen“ Zwang zum Mithören und Mitmachen morsch ist-
Sondern der unhinterfragte Konsens der pausenlosen Popmusikbeschallung.
Es mag ja sein, dass diese Form der Berieselung den Arbeitstag erträglicher macht- im gleichen Zug wirkt sie aber als weitere Art der Konservierung gesellschaftlicher Stagnation.

Begleitmusik des Immergleichen

Dieses Konzept des Hafenradios, ähnlich vielen weiteren Beispielen, von denen eins noch weiter ausgeführt wird, erinnert stark an die Sklavengesänge der Afroamerikaner, aus denen sich später die Musikstile Blues und Jazz entwickelten- aus denen dann zu einem wesentlichen Teil die Rock- und Popmusik hervorging (wenn man das mal ins Deutsche zu übersetzen versucht- populäre Musik-, dann kommt man wohl dem Begriff volkstümliche oder „Volksmusik“ recht nahe). War in den Sklavengesängen mit ihrem call und response - trotz dem kollektiv zumutenden Verhältnis von Vorsänger(leader) und Chor- wenigstens noch die Möglichkeit der Improvisation und dem unbestreitbaren kleinen Glücksgefühl des Singens und Mitsingens gegeben, hatten sie schon die Funktion der Produktivkraftsteigerung erhalten:


„Ein Vorsänger (leader) gab eine spontan erfundene Melodielinie vor, und die arbeitende Gruppe (choir) antwortete unmittelbar darauf. Dadurch entstand ein starker Rhythmus, der den Arbeitsablauf leitete. Er erhielt zum einen die Konzentration jedes Einzelnen aufrecht und sorgte zum andern für bessere Koordination der Bewegungen, lenkte alle Sänger von der Monotonie der Arbeit ab, erleichterte ihre gemeinsamen Bewegungsabläufe und steigerte so ihr Durchhaltevermögen. Oft wurden dieselben bekannten Melodien bei neuen Arbeiten mit neuen Texten unterlegt, um die schon eingearbeitete Gruppe zusammenzuhalten.“ (1)




„Manche Sklaventreiber (drivers) erlaubten ihnen, ruhige Lieder (quiet songs) zu singen, solange diese sich nicht gegen die Sklaverei wandten. Diese Lieder erleichterten den Arbeitsablauf und dienten der Aufmunterung durch gemeinsamen Ausdruck der Gefühle, ähnlich dem Gesang von Galeerensklaven oder Häftlingen (chain gangs). Ihre Texte handelten nur vom täglichen Leben der Sklaven und hatten keine religiösen Inhalte. Die so begleiteten Arbeiten waren z.B. das Ernten und Sammeln von Baumwollblüten auf den Feldern, Schaufeln von Gräben, Holzhacken, Frachten verladen, Hämmern von Planken, Befeuern von Dampfbooten, Felsbrocken schleppen, Bahngleise verlegen und andere.“ (ebf. 1)

Das findet wohl seinen künstlerischen Ausdruck im „Lied vom achten Elefanten“ im epischen Drama „Der gute Mensch von Sezuan“(Standartlektüre in den 13 ten Klassen von deutschen Gymnasien) von Bert Brecht: Das Lied handelt von acht Elefanten, von denen sieben vom achten bewacht werden, um den Wald von Herrn Dschin zu roden- eine Parabel in der Parabel „der gute Mensch“ und wird von den Arbeitern in der Tabakfabrik angestimmt, als Anspielung auf „Sun der Flieger“, der vom normalen Arbeiter zum „Vorarbeiter in einer Tabakfabrik avanciert ist. Früher selbst geschunden, wird er nun zum Schinder, und zwar zu einem besonders scharfen. Das Lied vom achten Elefanten ist auf ihn gemünzt.; einer der Arbeiter stimmt es an, die anderen fallen in den Refrain ein. Yang Sung überhört, seiner Position sicher, den Angriff, er macht sich das Lied sogar für die Produktivität zunutze, indem er es zur Rationalisierung umfunktioniert, lachend den Refrain der dritten Strophe mitsingt und in der letzten das Tempo erhöht(das des Liedes und das der Arbeiter) durch In-die-Hände-Klatschen anzieht. Der Jazz im Nachspiel- karikierter Dixiland- erhitzt die Antreiberei zu einem wahren Taumel; hier wird Kritik an der Verfälschung dieser Musik angesetzt, an der Manipulation von Lebensfreude zu demagogisch geschürter Ekstase.“(2)

(Diese Überlegungen zur Kontinuität von Sklavenmusik und der modernen Berieselung sind Laienanlyse und können eine intensive Beschäftigung mit einer spezifischen Musikgeschichte für Sklavenmusik, etc. nicht ersetzen!)

Man beobachte einmal Menschen, die ein Gespräch führen, während im Hintergrund, und nur ein Minimum
leiser als die Redenden, eben jene Popmusik läuft, mit ihrem, ich kann dieses mein subjektives Urteil leider nicht oft genug wiederholen, erschreckend eintönigen und gleichförmigen Rhythmen, und es kann auffallen, dass die gesprochenen Sätze im gleichen Fluss und Takt wie die „Musik“ dahinfließen- ich glaube, es ist hanebüchen darauf hinzuweisen, dass Denken davon nicht unberührt bleibt und in seiner heutigen Phrasenhaftigkeit, den stetig sich abspulenden Denkschleifen, vom Musiklauf nochmals bestätigt wird.

Was Musik, die diesen Namen wirklich verdient, bewusst oder „aktiv“ mitgehört, dem Hörenden eröffnen könnte- davon schwingt in der Berieselung nicht mal mehr eine Ahnung mit- selbst die umgekehrte Seite wird verwehrt, nämlich, was ohne ständiges „song playing“ über Lautsprecher, Kopfhörer und Handys erfahrbar wäre: Eine unreglementierte Erfahrung.
Stattdessen scheint ein unhinterfragbarer Konsens zu herrschen- über dessen mithin ökonomischen bzw. kulturindustriellen Grund kaum noch reflektiert wird- nachdem die Dauerberieselung an fast allen möglichen Orten- beim Frühstückstisch, in der Kneipe, im Kaffee, in der U-bahn, wahlweise durch zur Schau gestellte Musikszeneangehörigkeit via Handys, Schule, Uni, Arbeit- human sei und dass der, welcher sich dagegen wehrt, wenn nicht gleich verprügelt wird, weil er den falschen Musikgeschmack hat(ergo die falschen Buttons trägt), so doch schief angeguckt wird:

Eines kalten Wintertages, an dem jedoch die Sonne schien, war ich auf der Suche nach einem Cafe, um darin an einem Gedicht weiter zu schreiben- ich öffnete die Tür, roch den gebrühten Kaffee und besetzte einen der Plätze am Fenster, um einen Blick auf die belebte Einkaufsstraße werfen zu können. Im ersten Moment genoss ich die- wenngleich trügerische Stille, die einzig von den Gesprächen an den Tischen unterbrochen wurde, was für mich kein Problem darstellte, da diese eine zumindest tolerierbare Geräuschkulisse waren. Doch- kaum hatte ich einen Gedanken sprachlich gefasst, den Bleistift angesetzt- das ginge so, ich müsste nur anfangen mit dem Wort...- kam aus den Lautsprechern la la la la, die Miene brach ab, ich zuckte zusammen, stand von meinem Platz auf und fragte am Verkaufstresen einen Verkäufer, ob, wenn schon nicht die Musik ausgemacht werden konnte, er sie doch bitte auf ein erträgliches Lautstärke Minimum herunterdrehen könnte:
„Könnten sie bitte“ fragte ich ihn also, „da ich an einer wichtigen Arbeit sitze, für die ich geistig gespannt sein muss, weil sie, ohne, dass ich diesen Punkt besonders herausheben möchte, von wirklich großer Wichtigkeit für mich ist und ich, ohne diese Arbeit nicht wenigstens ein kleines Stück während der Stunde, die ich in diesem Geschäft verbringe, vorangebracht zu haben, aus dieser Türe“ zur der ich frech und bestimmt zeigte „zerknirscht heraustreten werde und nie wieder kommen werde- könnten sie also aus den, für sie sicher völlig einsichtigen, genannten Gründen die Musik, die aus den Lautsprechern ertönt, bitte etwas leiser machen, ich wäre ihnen sehr verbunden“
„Das ist so eingestellt“ antwortete er knapp, und er könne nichts machen, und auf die Gegenfrage, ob er mir denn die Zeiten nennen könnte, zu denen keine Musik gespielt werde, schüttelte er verwirrt den Kopf und ließ mich mit meinen- ich sehe es inzwischen ein- anachronistischen Befindlichkeiten allein.



(1) http://de.wikipedia.org/wiki/Worksong
(2) aus: Brecht Liederbuch, Hrs. Fritz Hennenberg, S.438
19.2.08 17:55





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