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Rote Rosen

Spät bends im Mai
flog ein Blumenstrauß
am Fenster meines Haus
vorbei:
Streute rote Rosen
mir aufs Haupt,
lagen auf dem Rücken,
taub, und ganz vorn,
nah beim Hals,
stach ein Dorn
in meine Haut.
Die Rache der Braut.
Im Rosenkrieg schwieg,
wer recht behalten wollte,
innerlich.
Denn weinerlich,
ein zornesroter
Trieb, speit Unglück aus.
Hinaus warf ich die Rosen,
aus dem Haus.
16.11.07 10:33


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Während einer Deutschstunde

Ich kann nicht mehr, als stumpfe Sätze schreiben: Sie schreien nach Liebe, mit der sie geschrieben sein wollen.
Doch das sind sie nicht.
Sie liegen kalt hinter den Gittern der Zeilen und fristen ihr sinnloses Dasein, bis ihre Tinter verbleicht.
Ich steh morgens auf und bin müde:
obwohl ich genügend geschlafen.
Vielleicht war`s zuviel? Das Subjekt, dass ich misse,
ist fern und ward zum Objekt, wie die Welt, die wie tot vor meinen lahmen Füßen liegt.

Was, frag ich, was will sie hören?
Ich kenn ein Gedicht von der Liebe,
geschrieben in Versen, und sauber gereimt,
und ganz ohne Kanten, die Ecken,
und Löcher im Stoff.
Das will sie hören?
Ein Gedicht von der Liebe, in
aabb, und kein Fehler,
die Dissonanz tut weh?
Kein Fehler, kein Fehler,
und ganz ohne Ecken,
und Löcher im Stoff.
Die Lyrik schreit wieder,
schreit lauter,
schreibt wieder:
und immer noch
stumpf bleibt der Tag.
16.11.07 10:42


Mittwoch

Es war Mittwoch Nachmittag, so schön wie gleich langweilig in jeder Woche- nur 5 Stunden Schule gehabt. Im Chemieunterricht wieder nicht aufgepasst- nach dem der Lehrer 20 Minuten über die Eigenschaften von Natriumhydrogencarbonat schwadroniert hat. Was interessierte mich Karbonat- ich lauschte dem Klang meines Füllers trommelnd auf der Tischplatte. Dann Stille, ich schaute auf, den strengen Blick des Chemielehrers auf mich gerichtet, lächelte, setzte mich schurgerade hin, und hoffte, das er aufhörte mich anzustarren. Endlich. In gleicher Weise sank meine Konzentration weiter hinab auf das unterste Energieniveau meiner Kohlenstoffatome, als, ich kehrte aus meiner „Lasst mich in Ruhe-
Kippstuhlstellung“ in aufrechte Position zurück-, ein tinitusähnliches Piepen durch meine Gehörgänge sauste. Gehörsturz, dachte ich mir, vernahm aber noch deutlich die anderen Stimmen, gar viel deutlicher noch und überlegte weiter, vielleicht war es ein Gehöraufstieg-
und ich versuchte den Gesprächen der Plappermäuler am anderen Ende des Raumes zu lauschen.
Ob ich nun besser hörte oder schlechter, im Prinzip war es scheinbar egal. Das Klingelzeichen bekam ich alle mal mit.
Ich schlenderte zum Bus, trug meinen stinkenden Turnbeutel in der Rechten und auf dem Rücken belastenden Schulalltag- man roch förmlich, von Sport und stumpfsinniger Klassen-(bald Massentier-) Unterhaltung dunsenden Schweiß.
Der Bus tuckerte von der Kleinstadt hinüber durch trostlose verschlafene Kaffs, auch mein Dorf erreichte ich bald, vorbei an der Kirche mit Vorplatz, endlich Haus und Heim. Ich war vollkommen fertig. Mein Kopf fühlte sich leer an, die Gehirnhälften pressten gegen meine Kopfdecke, drohten sie zu brechen. Ich versuchte dem ganzen mit einer Kanne Schwarztee abzuhelfen und nach dem Mittag, Makkaroni haute ich mich erstmal auf mein Ohr.
Mal ehrlich- wie sollte ich an diesem Tag noch Hausaufgaben erledigen, Mathe, Französisch lernen und- ja was und. Mir fiel das Wort nicht ein. Das Wort hatte einen schönen Klang, fast prophetisch mochte es klingen wie der Duft einer Rose oder dem Geschmack herber Bitterschokolade- auch das fiel mir nicht ein- ich hatte das Ganze schlicht iund ergreifend vergessen. Das ganze Sein der Sinne. Und dann wollt ich noch schreiben, und hatte auch keine Ideen, auch leer, nur zwei ins leere starrenden Augen, die ziellos an die Decke sahen und nicht schlafen wollten. Die von der Völle des Magens entstandene Müdigkeit verflog, dass Teein begann zu wirken- und hätte ich in Chemie aufgepasst, würde ich wissen, wie und warum, aber , es knallte- und ich kündigte an, Spazieren zu gehen.
Statt wie üblich mich mit allerlei Zeugs voll zu packen um mir die Promenade schwerfälliger und nebensächlicher zu machen- genügte mir ein schmales Notizbuch, 1 E 60 im lokalen Tante Emma Laden erstanden, mit dem befand ich mich auch wenig später auf der Strasse zum alten Militärflughafen der Sowjetarmee- die große Sensation auf dem Dorf ist er, seit seiner Öffnung nach Jahren der überwachten Sperre strömten Massen von Schaulustigen durch die schweren Eisentore und verkauften wohl so manches Stück Schrott von dort nach China. Ich schlenderte, ich pfiff und war doch ganz betrübt, die Blockade im Kopf löste sich nicht. Der Bleistift war spitz, doch die Hand wollte nicht recht. Ich sah einen weißen Schal am Andreaskreuz des Bahnübergangs hängen. Zaghaft schrieb ich ins Heft: „Wer hat den weißen Schal vergessen.“ Wurde ein Kind aus der Schule, die ich gerade passierte, von seinen Kameraden gequält? Schal entzogen, und später als Warnung ans Kreuz gehangen. Ich mochte das nicht recht schreiben- klang so gewöhnlich. Und dann erinnerte ich mich einer Meldung als die Schule noch Gesamtschule war, an eben jener Laterne, die gar nicht unweit des Kreuzes im Schulhof stand, ein Jugendlicher mit Schnüren angebunden und mit Nazirunen beschmiert worden ist. Vergangenheit, ich pfiff wieder und war weiter depressiv über meine Ideenlosigkeit. Ich wollte einen Einfall für ein gedicht- mir zuviel der schöne deutsche Widerspruch ein- Fragen kostet nicht. Stell nicht so viele dumme Fragen.


Ist nicht gut! Schwermut, sentimentales Zweifeln machte sich wie zu oft nach beklemenden Schultagen wieder breit. ich kann nichts. Ich bin nichts. ich will nichts. Lasst mich doch alle in Ruhe. Und dann durchschritt ich das Tor zum Sowjetorame, einer Ödenei von verlassenen Plattenbauten, Baracken, Lagerhäusern, und irgendwo ganz hinten, mächtige lange Flugbahnen, Honecker türmte von dort nach Russland, former UDSSR, als hier schon die Lichter des Staatssicherheitsbüros ausgingen. Und mir wollte hier nichts einfallen. Ich schritt über laubbefallene Moosböden und unter entlaubten und grünen Nadelbäumen entlang., als mir die inzwischen verlassene Wachbude auffiel, zerborstene Fenster, Geruch von Deckenputz kam mir in die Nase beim betreten des Häuschens und gleich fiel mir die überdimensionierte Kalender von 2006 auf, mit einer schlanken nackten Frau im Mittelpunkt.
Natürlich, dachte ich, was soll man sich auch sonst als einsamer Wachposten 366 Tage die Woche auf diesem gottverlassenen Gelände ansehen. Wer sich so etwas an die Wand hängt, hat bestimmt auch Pornos. Ich durchwühlte die Schränke und Schubladen nach Pornos, fand aber nur abgeschmackte Modekataloge und veraltete Zeitungen. Auf dem Boden, zugemüllt mit Altpapier und Scherben, erkannte ich dann noch ein kleines weißes Paket, das ich erwartungsvoll aufhob. „NATRIUM HYDROGEN KARBONAT TABLETTEN“
Zu irgendwas waren die gut, nur für was? Ich steckte das Produkt von VEB Car mol- Werk Rheinsberg im meine Jackentasche und erreichte, mit Notizbuch und schwermütigem Geist die Hinterfront einer Platte mit Balkonen- das Bild, dass kennst du irgendwoher, so aus zehnjähriger Ostwohnungsodysee, und der grauen Farbe, wie herrlich monoton. Und sollten meine Gedanken sprießen? Vielleicht war ich doch nicht zum Schriftsteller geboren, jedenfalls wenn ich dann ständig über die selben Produkte menschlicher Einfallslosigkeit zu schreiben hätte, erhängte ich mich lieber am Andreaskreuz zur Laterne des angeschnürten Schülers.
Ich warf mich frustriert zu Boden.
Langsam, sehr langsam konnten meine Hirnzellen erst greifen, was sich in diesem Moment vor meinem Sehorgan auftat. Unweit meiner Fuße stach ein Baum in die Höhe der ersten Etage und ragte in ein scheibenloses Fenster des Plattenhauses hinein. Und ganz einsam hing an einem Zweig des dünnen Baumes ein herrlicher gelber Apfel.
So wie dieser leuchtende Apfel an dem sonst eher kahlen Baum hing, dachte ich mir, dieser Art müsste das Wort sein, dass ich über den Alltag hin vergaß. Ich zückte Stift und Notizbuch und versuchte eine kleine Skizze zu erstellen. Dann schrieb ich Zeilen eines Gedichts, und, das wäre doch was Neues, wie Newton unterm Apfelbaum.
- - -
Zum Fenster streckt ein Apfelbaum sich hin
und keiner da, den Apfel ihm zu pflücken-
Der hängt an seinem Schicksal bangt
um eine Hand, die ihn befreit
zum Beißen und Verspeisen.
Schnell und schmerzlos, verwelken
indes ist ein schmerzerfüllter Tod.
Der Apfel, gelb vor Neid, von seinen Kameraden,
die starrten unlängst Münder an, und ihn
das Grau der Erde, zur Erde und
Boden gestreckt mit frostiger Hand.
- - -
Das war doch mal was, aber irgendwie, nur die Natur zu verhexen mit arkigen Versen ist auch nicht das Wahre. Ich zapfte weiter in der Hauptleitstelle meiner Nervenleitungen.
- - -


- - -
Die Angst vorm Schreiben, vorm Schreiben, was schreib ich den nur? Schau zu, lass dich leiten von Wörtern, die aufblitze- von woher kommen sie? Und warum gerade dann nicht, wenn ich bereit bin, sie zu erfassen? Hunderte Erlebnisse reihen sich an einer Straße meines Gedächtnis- die sind nur leider allzustark verschüttet, von Reizen, und Fluten blockender Schüsse aus schmerzender Handlung, von Dannen, von Sinnen- davon. Mit schleiern., die sich um etwas legen, die ich als Kind allzu gut gekannt hatte.
- - -
Das Wort? Wie war es denn?
- - -
Es lässt die jedes Rot noch schöner vorkommen- Wörter, Wörter verblöden sich selbst durch stumpfe Wiederholung des längst Genannten Müdigkeit holt aus und boxt einem in das Gesicht.
Wer bin ich, was bin ich was mache ich hier. Wer wohnt eigentlich in mir- Ich?
Wer wohnt in einem Hotel? Männer mit Mundgeruch. Schweiß tropft ihnen aus der Nase, er fließt beständig, auch wenn er nicht sichtbar ist- Schnodder schnöder Worte stottert Müll den ganzen Tag.
Leerlauf- man bleibt im ersten Gang, oder fährt Rückwärts mit einer Geschwindigkeit- Fesseln oder Freiflüge im Himmel?
Ich erwachte aus diesen strudelnden Erinnerungen, ich spürte, wie einmal wieder der Stöpsel aus meiner Hemmung gezogen worden ist, und das Wort nährte langsam mehr, war es der Auslauf blockierter Wünsche und drückender Erinnerungen. Gedankenketten- ich wurde mir klar, jeder Eindruck, Reize und deren Verdauung im Kopf verband sich sogleich mit unzähligen Hintergedanken- oft auf allzu festgelegten Verbindungen, di immer wieder das „nein, tu das nicht“ zurückgaben. „Anfrage Gro0hirn- was tun?“ „negativ- Augen runter ziehen“ „Roger“ Gedanken, die Menschen an ihre eigene Unfreiheit ketten.
Wer wohnt eigentlich in mir- Ich?
Es müsste jetzt klappen!
- - -
Ein Tag im Park
Ich hörte Stimmen von weit her- mein Kopf war mehr einem notdürftig geflickten Fahrradschlauch und drohte jeden Augenblick zu platzen. Gepolter, Geschnatter, Gejammer.
Quak, Quak- tönte eine Ente, die zum Tiefflug ansetzte. Ich saß kerzengerade auf meinem Stuhl. Ruckartig stieß ich mich nach hinten, die metallernen Stuhlbeine knarrten und quitschten. Die Stimmen von draußen, von nebenan, sie sprachen in meinem Kopf. Sprachen nicht zu mir, gegen mich, mit schallenden Messern auf weiche Punkte meines Nervensystems.
„Ruhe!“ und die Ente quakte- munter weiter, ein kleines Kind blieb stehen, schaute auf mein Gesicht, und bekam einen Ball ab. Das Mädchen fiel um. Während mich die Frage quälte- „Was schreibst du?“ Fiel die einzige Zuhörerin meiner Instruktionen einfach um.
In sich zusammen.
Ich schämte mich. Doch was sollte ich jetzt machen, etwa hingehen und den Tröster spielen, aber in seiner Isoliertheit so wunderbaren Platz einfach verlassen und sagen, das es meine Schuld war? Die älteren Brüder schimpften mit dem Mädchen, sehr aufbrausend, verstand kein Wort- Knirpsensprache.- dachte ich zuerst. Heulend lief sie davon. Mein leeres Blatt gähnte weiter „Stell dich nicht so blöd an.“ Schien es mir zu rufen- noch eine dieser Stimmen. Alles scheint zu mir, über mich, über mir hinweg zu sprechen, jetzt will ich aber auch mal etwas sagen. „Freut ihr euch, mir den ganzen Tag gute Ratschläge ins Ohr flüstern?“
„Geh dich entschuldigen beim dem Kind“ Habe ich den Ball geworfen? Heulen Kinder nicht ständig? „Hast du als Kind geweint?“ „Was für eine Frage“ Natürlich, oft genug. War die Frage damit beantwortet? Ich war auf eine Art natürlich der Auslöser für ihr Unglück.

Krampfhaft versuchte ich nun, den Zeitlauf anzuhalten, um „zur Ruhe“ zu kommen und gleichzeitig überrumpelt der gnadenlose Verkehr tausender gleichzeitig einsetzender Ereignisse eine Verbündete. „Gib mir auch Ruhe!“ wollte sie mir mit diesen Worten zuspielen, und wurde dafür von ihrer Brüderschaft zurückgepfiffen? Zurück ins fade Hin und Her. Die Familie verschwand- mein Stuhl entpuppte sich als brüchig und stur, oder beides, ich kippte nach hinten über und betrachtete Bruchteile meines Rückens später den Freiflug der Enten.
- - -
Ich klappte mein Notizbuch zu und flog erstmal Richtung Hause. Ohne Pornos, dafür mit einigen Gedanken und Natrium Hydrogen Karbonat. Der Stöpsel wollte sich nicht mehr auffinden und ich dachte und dachte und dachte, und wie ich in die Einfahrt einbiegen wollte, nahm ich eine Randnotiz von einer geräderten Motorradgruppe- kurz-geschorenen, junge Burschen mit schicken bunten Lederwesten, einen erkannte ich sofort, es war Tom. Tom war einer der Steine der auf meiner geschlängelten Linie lag, und er war ein so großer Kotzbrocken, dass an ihm wirklich kein Weg vorbei führte. Ich kannte ihn aus der Grundschule, um ihm nicht viele Worte zu widmen, reicht- sehr von sich überzeugt, das er der größte Chefkoch in der Landesküche ist. In seinen Armen lag Tanja- und wieder einmal stellte ich fest, dass meine Straße allzu viele Gassen enthält, eine davon war wohl auch sie, die sie dann zum Motorradweg ausgebaut hat. Tom hielt mir noch einige Tage zuvor einen brennenden Monolog, warum niemand sich mit ihm messen könnte. „Du sollst erstmal Geld verdienen und arbeiten, bevor du dich mit mir messen kannst.“ Auf soviel paarungswütiges Brunftgeschrei hatte ich dann doch keine Zeit. Als nächstes käme noch Schwanz messen.
Tanja wiederum war die Nachbarin meines besten Freundes, Erich. Und wieder spürte ich die Gedankenketten an meiner Haut. Schmerzsingende Erinnerungen, ich war neugierig aber peinlich berührt vom ÜberTom und seinem Girl und verkroch mich hinter einer verschließbaren Tür. Durch die Fenster sah ich sie noch, aber, dass wäre ja noch schöner ihnen Blicke zu schenken. Ich surfte stattdessen im World Wide Web, fand den Posteingang ausgesprochen leer bis auf eine Nachricht, eine Einladung zu einer Party am 18. November, bei der es sich wohl um ein gemütliches Zusammensein bei elektronischen Klängen handelte, bereits die dritte Einladung, die ich für dieses Datum bekam- statt wie so üblich mich für jeden Samstag Abend über drei Ecken in Gruppenabende selbst einzuladen, häuften sich an diesem Tag die Angebote- Thats my day. Werbung, Werbung, für Penisvergrößerungen und zu Glücksspielen mit hundertprozentiger Gewinngarantie- „Sie haben schon gewonnen, wenn sie diesen Brief lesen.“ Wirklich löschen? Ja? Inhalte gelöscht.
Der achtzehnte war noch weit, weiter noch das Wort, dass so geschmeidig war wie fettarme Butter. Grübelnd wavte ich weiter durchs Netz, belustigte mich an bunten Bildern betrunkener Berliner, icke sach mal, noch en Bier und gegen 6 klingelte das Telefon.
„Hi hier ist Anna“ „Hallo Anna!“
Wie geht es die, mir geht’s gut, und dir geht so.
„Ich bin halt grad ein bisschen im Stress.“
Schule?
„Ja, genau, du auch?“
3 Klausuren
Morgen Französisch
„Morgen Deutsch, Freitag Englisch.“
„Scheiße Anna, mit dem Pensum kommst du ja gar nicht mehr zum Schlafen;“
„Montag Mathe“
„Mein Beileid. Und sonst?“
„Wollt ich dich fragen, was du am 18. machst“
Eine ganze Menge.
„Gerda feiert ihren Geburtstag an diesem Tag“
Gerda auch? Da ist sie nicht die einzige.
„Nein? Na jedenfalls sollte ich die auch sagen. Du bist eingeladen“
Danke. Weiß aber nicht, ob ich komme kann.
Unser Gespräch kreiste sich um vermisste Freiheiten, einengende Lebensverhältnisse und über die Zahl „18“, die Selbstentscheidung verspricht, aber noch mehr arbeit und Abhängigkeit mit sich bringt.
„Jetzt hat man die Möglichkeit“ sagte Anna, „überall hin zu reisen, und man tuts doch nicht. Man könnte soviel machen. „Eltern, Familie, Schule“ entgegnete ich. „Geld“
„Stimmt“ Wir stimmten überein, dass unsere Umwelt langweilig sei. „ständig muss man irgendetwas machen- Pflichten erledigen, Hausaufgaben.“
„Und man kommt gar nicht zum Luft holen. Ich weiß, man fühlt sich schlapp, denkt, man sei dumm, mir ging das heute auch so. Aber wenn man jeden Tag 16 Uhr zu Hause ist, brauch der Körper erstmal 4 Stunden um sich zu erholen.“
„Wo bleibt die Phantasie?“
„In der Hosentasche. Ich wollte heute z.B. etwas schreiben, aber mache das mal mit einem kopf schwer wie Blei!“
„Dann lss ich ihr vor, was ich mir auf dem Flugplatz ausgesponnen habe.
„Dafür, dass dir nichts eingefallen ist, fiel die eine ganze Menge ein.“ „Hast recht.“
Dann sagte sie einen Satz, den ich für die passendste Signatur einer Oberschüler-Existenz hielt. „Warte, sag das bitte noch mal“ ich öffnete mein Notizbuch und schrieb ihre Worte nieder.
„Ständig verbringt man die Nachmittage damit nichts zu tun, und das mit einem schlechten Gewissen. Satt etwas schönes, anspruchvolles zu lesen, guckt man Fernsehen, weil man ja vorher noch Mathe lesen müsste- dass man dann auch nicht tut,“
„So verfließen Stunden um stunden, Tage, Wochen, und man spürt, wie man seine Zeit- sein… Was?...., vergeudet .
Der Apfel fällt vom Baum ohne gepflückt zu werden.
„Autofahren kann man mit 18“ sagte sie plötzlich.
„Und gegen Baum fahren.“ Erwiderte ich zynisch und warf einen kurzen Blick auf den Gang auf der anderen Fensterseite. „Das auch, ja“
Wir schwiegen.
„Hast du Angst, gegen einen Baum zu fahren?“ fragte sie.
„Schon, auch wenn man die Konjunktur von Beerdigungsunternehmen in unserem Dorf mitbekommt.“ „Wie muss ich das verstehen?“
„Jedem Baum sein Raser- so zum Beispiel, dass das einzige Unternehmen, das in den letzten Jahren eine Filiale eröffnete der Bestatter in guter Lage zur Kreuzung.“
„Hart“ „Und wie, wenn ich bedenke, dass meine Fahrschule direkt gegenüber liegt, und ich jeden Tag an Urnen Marke Anton uns schicken Eichensärgen nach Hause laufen muss.“
„Da fällt die Wahl nicht schwer. Du hast doch mal eine Theorie aufgestellt.“
„Die Theorie der einfachen Brandenburger Landexistenz?“
„Ja!“
„FSK – SFB: Saufen Ficken gegen Baum fahren.“
„Makaber- man muss ja nicht als Sägespäne enden.
Nein, natürlich nicht. ich zu Beispiel freue mich auf eine mobile Unterhaltungsbühne“
„Damit du dich mit Leuten unterhalten kannst?“ „Auch- aber vor allem kann ich dann jedes Wochenende so färben, wie ich möchte – ich packe mir Sonnenschirm, Klappstuhl und die Gesamtausgabe mozartscher Klavierkonzerte, nehme noch ein paar Leute mit und machs mir an stillen Plätzen gemütlich- Sonntagsausflüge.“ „Bei dir klingt das nicht mal spießig.“
„Wo denkst du hin, wir nehmen uns noch einige Lektüren mit, die kleinen gelben Theaterbücher wären doch lustig, und lesen sie- nein wir spielen sie uns vor!“
„Der Theaterwagen. Damit kannst du bestimmt etwas Geld verdienen.“ „Rumspinnen und Kohle. Da macht träumen Spaß.“
Unser Gespräch erreichte die Lästerphase.
„Hat er wirklich?“
„Im ernst, ja. Und weißt du, was er dann gesagt hat?
Nein, dass wusste sie natürlich nicht.
„Das hat er zu dir gesagt? Hätte ich nicht vom ihm erwartet.“
„Kannst du dich eigentlich noch daran erinnern, wie wir uns kennen gelernt haben, Anna?“
„Wage.“
„Du warst auch ganz schön betrunken! Weißt du, ich habe auf dieser Party ziemlich alle Leute kennen gelernt, mit denen ich später, na oft abhing. Mein spätpupertierender Lebensabschnitt hatte an diesem Tag Premiere. Erich, dich, Erichs Nachbarn, Hannes, sehr sehr viele.“
„Also ich hab von dieser Party nur noch dich in Erinnerung.“
Aus irgendeinem Grund hat mich das nicht verwundert. Während wir weiter kramten in Erinnerungen vergangener Tage sprang ich in mein Zimmer umher und riss mit einer unüberlegten Handbewegung einen Stapel Briefe herunter.
„Was war das?“
„Meine alten Liebesbriefe.“
„Ist ja lustig“
„Die mag ich nicht mehr,……die auch nicht,…… weggezogen.
Hier: Geburtstagseinladung
Bis: Es steht in den Sternen!
Was es besonderes gibt: Spiele aller Art (wirklich aller- Grins)
HDGDL
„Nett“ Was wohl Spiele aller Art bedeuten soll?“
Ich murmelte einen unverständlichen Satz.
„Ach du“
„was denn, hab ich was falsches gesagt?“
16.11.07 16:04





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