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Der gespringerstiefelte Kater

Rechts vom Tresen standen die leeren Bierflaschen- mitunter nur halb geleert, abgestanden seit einer Woche( sauber machen hielt man zumal aus hygienischen Gründen für überflüssig), so war denn die Luft auch angefüllt mit dem Hauch Hopfen; Beigemengt dezenter Tabakduft, in silbrigen Schwaden durchzog der den Raum, spielte mit dem matten Schein der gedämpften Lampen Seilspringen, Hulahupe, wenn einer der Besucher dieser schmuddeligen Punkerabsteige wieder Kunststückchen vorführte- elegant den Joint durchzog, dem ein Ring entsprang, höher steigend, bis zum Moment des Durchbruchs, wenn das Diskolicht die Bahn des Räucherringes kreuzte.
Figuren längst vergessener Märchen.
Und so hatte sich auch Aschenputtel im Laufe dornrösiger Jahre gewandelt wie Klassik zum Punk, wurde Beethovens fünfte „Rattattadamm“ zum RATATATATATATATADA, `PimmelmannFotzePimmelmannFotze“, zur zweitonalen Hammermelodie.
Aschenputtel- zur Schau getragene Verwahllosung- lag in den Armen ihres Märchenprinzen, dessen Haarzackenkrone in die düstere Untergrundatmosphäre stach. Sie hatte Netzstrümpfe, die mehr von nackter Haut sehen ließen, als sie über deckten- einen zerschlissenen Minirock, dem durch die gekonnte Handführung des Prinzen manch zauberhafter Anblick eines Tigertangas zu entlocken war, alte Jacke, bunte Haare, Nasenpiercing.
Ein Paar Schuhe- hoch geschnürte Stiefel, bei denen Gewissheit herrschte, dass in sie noch jedes Fußduo passte- also konnte auch Jede die passende sein. Es machte keinen Unterschied. Ob nun mit roten oder grünen Haaren, Im- oder Exportbier.
Die Mischung aus wummernder Musik, Alkohol und bunten Fetzen machte alle gleich im Rausche alternativer Unterhaltung.
Eine Figur entsprang jedoch einem anderen Genre, l'Opéra, angebunden an einer Eisenkette, der Kopf kam durch ein Loch im Brett hervor, daneben hingen die zwei Arme. Er stand auch steif im Raum und an ihm zogen die Scharen zappelnder Gestalten vorbei, ein Fels in der Brandung- das Licht im Dunkeln oder der Schatten in der Wüste- oder einfach derjenige, dessen Erscheinung an das Andere gemahnt, welches Furcht und Neugier zugleich auslöst.
Noch blieb er ruhig, obwohl der Klang klagender Töne in den Schallwellen der Musikboxen seine empfindlichen Ohren heftig reizte- hatte der Punk sie auf genau zwei Punkte reduziert, dem variationslosen Auf und Ab- und waren die Töne gleich ihm eingesperrt in ein beengendes Korsett, drangen sie zur Befreiung: Seine Ohren wurden ihr Anwalt.
Das Rechtssystem seines guten Geschmacks- die Rechte der Töne- war Vergangenheit.
Er konnte klagen- aber wen und wohin? Der Punkers Ohren waren verschlossen für derlei Befinden, getönte Haare, aber im Dauerrausch kaum noch fähig zur Unterscheidung von Ton und Geräusch, geschweige denn einer Melodie: Es machte doch nur immer weiter Ratatatata, Pogo hieß der Tanz und sie schubsten sich im preußischen Vier Viertel Takt, der Schlag auf Eins und Drei, rammten ihre mit Nägeln bestickten Körper aneinander- Spikes- und trafen dann und wann, im Einvernehmen mit dem Lauf des Märchenballs, seine Arme, den Bauch, das spindeldürre Männchen aus anderer Epoche. Die Ketten, an denen er hing, rasselten. Nur von der Gewalt des Saales erst bewegt, zerrten sie an seinem verstand, trieben seine Gedanken in die Ecke.
Und während der Scheinwerfer seine Runde zog, und eingesperrt wie er selbst, seine Gedanken verzweifelt gegen die Übermacht einer unbenennbaren Kraft ankämpften ,- ein Nichts- eine Leere, ein Hin und Her wie das unsägliche Strandspiel `wirf mir den Ball zu, Papa`- die Wiederholung des Immergleichen, stets Bekannten- traf ihn das Licht: Grell blitzte es in seinen Augen auf. Ein Funken entsprang ihnen, und aus voller Kehle riss sich ein Gedanke los von den Ketten, entsprang seinen spröden Lippen- floh vor dem Nichts, ein Augenblick, ein Ohrentakt vor dem vor dem Tod ,- entwischte er ihm und bekundete lautstark:
„Va`Pensioro – sule`ali dorate – Flieg Gedanke, getragen von Sehnsucht, lass dich nieder in jenen Gefilden, wo in Freiheit wir glücklich einst lebten, wo die Heimat unserer Seele ist“.
Le Tenore erhöhte die Stimme und traf den wunden Nerv-
Nabucco war Dissonanz zum Punk im Akkord.
In den tiefen der Zwerchfell und Magenluft geboren, stürzten die verzweifelten Töne in den Kampf mit den monotonen Kriegern der marschierenden Armee, die ihre Kommandos durch den Raum feuerte:
Bullenschwein, Bullenschwein.
Pflasterstein, Pflasterstein, dass muss sein. Das muss sein.
Der Kampf aber war doch schon vorweg entschieden. Eine Melodie, die zart anklagend ihre Botschaft übermitteln möchte, stößt bei tauben Ohren auf taube Ohren.- sie hatten sich von ihren Ketten gelöst, aber wo sollte die Heimat ihrer Seele sein, wo sie in Freiheit klingen und ausklingen könnten- in der Wüste? Aber wohl kaum in einer derart krass dezibelen Umgebung, und auch nicht in einer utopischen Nation, Tonalien oder im Musikantenstadl- es waren einzig seine Ohren, die seiner Stimme ein letztes Exil gewährten.
Doch er verstummte nicht- er trällerte den Gefangenenchor mutig weiter, einige schale Blicke riskierend(die ansonsten wieder an schalen Bieren hafteten), und noch abseits im Dunkeln der Rauchschwaden, trat der Prinz aus dem Nebel hervor. Erhaben baute er sich vor dem Gefangenen auf, führte sein stolzes Ross an der Leine, dass auch gleich zu bellen begann.
Fabelhaft: Denn der kläffende Tonfall des Prinzen schien einem Versuchstier des Pawloschen Reflex nachgeahmt zu sein:
„Spießer“
„Ich?“
„Ja, du!“
So entwickelte sich ein spannender Dialog zwischen dem irokesischen- oder ironiesischen? Prinzen, der dabei mächtig auf den Hund gekommen sein muss, und dem unschuldigen Gefangenen, der auf den „Spießer“ kommen sollte.
„Ich?“
„Ja!“
„Warum das?
„Ich gebe dir gleich Warum das“
„Alkoholfrei?“
Da setzte schon die Bestrafung für ihn ein, und der Prinz folterte ihn, rammte ihm die Spikes in den Bauch, kurz über dem Nabel, ließ aber nach einigen schrillen Tönen ab von ihm, zog seinen Hund hinter sich her und ging von Dannen.
Da klingelte eine kleine Eieruhr auf dem Tresen, und eine hagerer Kerl, Wirt und Gnadenrichter vereint in einer Person, holten den bronzenen Schlüssel aus seiner Schürze hervor und befreite den Unglücksraben von seinen Fesseln, das Brett, in dem der Kopf steckte, fiel ab, die Handschellen, kurz um, er war ein freier Mensch.
„Zwanzig Minuten sind um! Da hast du dein Bier- und das hast du dir redlich Verdi-nt, mein Junge“

Er öffnete das Bier, setzte die Flasche an und stolperte, über schlafende und erbrechende Trauerfiguren, wie dem gespringerstiefelten Kater(am nächsten Morgen) hinweg , aus dem dunklen Märchen.

Und wenn er nicht gestorben ist, dann singt er auch noch heute.
(Nächste Vorstellung um Acht, im Konzerthaus in...)

Ende
6.5.07 15:46


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Deutsch- dialektische Sprache

So ist auch das Wort "versprochen"(von ein Versprechen) widersprüchlich. Kann man sich nämlich versprechen und das Vorherige negieren.
7.5.07 12:39


La vie vol.2

Da sie mir die Zeit knapp gönnen- Sie?- der gegängelte Schulalltag, ist diese Erzählung auch wieder erst im Anfangsstadium, enfaltet aber schon ihre vollen Reize.
Am Anfang war das Wort? Oder die Tat, oder... La vie.

La vie

I hate mondays- wie sich Modemarotten selbstständig machen können und ihre Botschaften zufälligen Betrachtern immer wieder ins Gesicht schlagen. Das waren jene Sprüche, die , mit wechselndem Inhalt, seit einigen Jahren auf den Pullovern und Hemden einer ganzen Schülergeneration prangten. „Tussi“, „Motherfucker“, „Dummchen“- , , .
Und: Ich hasse Montage!
Da hatte sie ja recht, aber musste sie denn meine letzten schönen Erinnerungen an das Wochenende durch ihre innere Einstellung zum „Tag nach Sonntag“ vermiesen? Denn so überwältigte mich auch die dunkle Metaphorik, die nach dem schönen Tag der Sonne die Nacht und den Mond Tag folgen ließ.
Wahrlich fühlte ich mit ihr, aber ich brauchte es mir deswegen nicht ständig wieder bewusst machen:
Wie sie dort saß mit ihrem Sprüchle shirt, leicht zu verstehen ihre Wut- angespannt Stirn und Hand, krampfhaft kampfhaft führte sie ihren Füller gegen das leere Karo Papier und gegen die Matheaufgaben. Dabei waren Quadratische Funktionen und Exponentialfunktionen sicher nicht ihre Stärke: Dafür wanderte ihr Blick all zu oft nach links. Und nach rechts- zu mir, und als sich unsere Blicke trafen, stellte ich erschrocken fest, dass ich auch Montage hasste ,- und Mathematik Testate: Mein Blatt war ja auch leer! Die Arme des Funktionsgraphen wuchsen mir über den Kopf, und umschlungen meinen Geist. Jetzt war auch ich gezwungen, obwohl ich nur ein einfaches rotes Baumwollhemd trug, ohne jeden tiefsinnigen Gedanken als Leitspruch, nach rechts zu schauen:
I hate numbers. Die Acht, Sechs, Neun und Null lachten mich aus. Wenigstens die Eins hielt ihren Mund.

1. Erstens: Gehe Sonntag Abends nie zu spät in dein Bett!

Ich gab das leere Papier ab, eine wirre Zusammenkunft betrunkener Zahlen, die mehr mit meiner Bierrechnung am Samstag Abend zu tun hatten, als mit der Lösung der gestellten Aufgaben. 45 Minuten dauerte diese Stunde.
Danach hatten wir: 45 Minuten, na?
Mathe.
Erdkunde. Deutsch. Chemie- Krach bumm Beng- wurde ich zu guter letzt, nach einem misslungenen Experiment(ich hatte wohl Säure mit Base verwechselt) ausgebrannt in den Informatikunterricht geschleudert.

2. Zweitens: Verwechsle nie 1 und 0 bei einem Computer.

Ein binäres Chaos gab meinem Verstand den Rest- ich drücke mich lyrisch aus:

Der Zustand des Computers glich dem Zustand des Verstandes:
Erst kam der Kurzschluss, dann der Stillstand und zu guter Letzt-
Der Absturz.
Ich schaltete wie gewöhnlich nach einiger Zeit ab in der Schule, in den Leerlauf, von einer unbeschreiblich langwierigen monotonen Welle getragen: irgendwann wird jeder Moment gleich, und Deutsch, Mathe und Erdkunde nehmen die Farbe eines Grautons an, den irgend ein einfallsloser Maler auf die Hornhaut meiner Augen gekleckst hatte. Ich wollte fast sagen, ich bin blind. Hilflos trotteten mein Körper und Ich auch an diesem Montag von A nach B, Raum 304 in Raum 120, zur Bushaltestelle- von dem Ort meiner Schule, bewusstlos geführt durch eine Maschine, in das kleine Dörfchen, das stolz den Beinnamen –Da, wo ich wohne- führen darf.
Noch wollte ich mich aber nicht abfinden mit dem Gedanken, dieser Tag wäre wie jeder andere. Ich glaube nämlich nicht, jeder Tag ist wie jeder andere: Das halte ich für ausgemachten Selbstbetrug. Manchmal denke ich, es ist umgekehrt: Jeder Mensch ist wie jeder andere, und daher legt man sich die Ausrede zu, der Tag wäre Schuld und immer gleich.
Der Mond Tag. Der Dienst Tag. Die Sonne. Der Amerikaner. Die Maschine.
Ich? Ich suchte wieder mal ein Wort, wie ich es nannte: Eines, dass ich über den Alltag hin vergaß.
Nicht so, dass ich es nicht mehr wüsste, der Buchstabenlaut, sein sprachliches Pendant in anderen Sprachen- ich suchte im Übrigen auch die französische Version dieses Wortes, da sie mir besser klang- nicht das war es, was mir verloren ging. Ich meinte die Erfahrung, die dem Wort zu Grunde lag. Das, was das Wort „bedeutet“.
Sein Inhalt war mir nämlich abhanden gekommen, und ich trug nur noch die leere Hülle mit mir herum.
Eine Worthülse, wenn man so will.
Ob das denn nicht identisch wäre, Wort und Inhalt? Ich würde mit der Frage, etwas variiert, antworten.
Es ist nichtidentisch.
Und warum mich das interessiere?
Sie sollte es eigentlich interessieren, lieber Leser. Denn ich will ihnen hier nicht etwas halb gekochtes auf den Teller legen.
Ich suchte also den Löffel, die Sauce, das Fleisch und die Kartoffeln allemal, all das was man so benötigt für einen literarischen Text: das Werkzeug. Und wenn ich ihnen flüstern würde, dass dieses Wort im Prinzip alle Wörter umfasste? Sie würden mich auslachen und würden sagen, das Wort Wort umfasst alle Wörter. Touché.
Es- wird sich zeigen.
Da, wo ich wohne, dass war im Besondern ein Haus, und ein Zimmer. Es war ein Stuhl, auf dem ich saß, als ich mir langsam das Grau von den Augen putzte und das gekochte Essen meiner Oma vom Teller nehmend verputzte. Es war ein Stechen im Spargel mit der Gabel, noch dazu ein Schnitzel, eine Art paniertes nacktes Fleisch. Ich legte bald die Waffen nieder und fand meinen Mittagsfrieden durch zwei ältere Boxen eines Plattenspielers. Es war Frédéric Chopin persönlich, der sich dazu bequemte, aus seinem Seelenfrieden auszutreten(da man diesen örtlich immer noch nicht genau ausmachen kann - auf Grund fehlender technischer Mittel, mangelndem Verstand oder weiß Gott und/oder die Stringtheorie-, nehmen wir an, dass er sich entweder in der Kirche zum heiligen Kreuz in Warschau befindet- wo sein Herz aufbewahrt ist- oder auf dem Friedhof Père Lachaise in Paris, auf dem sein Leichnam begraben liegt), um mir, einem vom Schulstress geplagten Brandenburger Schüler, einige zarte, romantische Weisen zu spielen. Chopin gab nichts vor, außer kaum etwas aussagende Standartnamen wie Klavierkonzert Nr.2 f-moll op.21 oder Klavierkonzert Nr.1 e-moll op.11.
E-moll und f-moll, fis-moll, cis-moll, ah- As-Dur. Die ersten Takte belebten meine Phantasie. Es ging noch weiter, die Melodie ersetzte nach und nach die monotone Welle, das Grau in Grau, und im gleichen Moment drangen die ersten Farben und Erinnerungen wieder in mein Bewusstsein. Genau: Der Tag sollte anders werden.
Ich wollte schreiben: „Nicht schreiben und dabei Lust, Lust, eine schreiende Lust zum Schreiben in sich haben!“ so Kafka in einem Brief an Felice Bauer, 1912. Das meinte ich. Lust zum Schreiben. Ich spürte Chopin, die abgedrängten Gedanken der vergangenen Wochen und Monate(in denen ich das Wort, besser seinen Inhalt verloren hatte- verloren gehabt zu haben glaubte) und so fuhr die Nadel des Spielers die Rillen ab, Runde für Runde, das ganze Programm. Ich brach auf. Eine Promenade, denn beim Wort Spaziergang wäre ich wieder einer allegorischen Beschreibung verfallen- so wie: Ich flog aus wie ein Spatz auf fleischigen Stelzen. Als erstes aber stieß ich gegen eine Wand aus schwüler Luft.
16.5.07 18:00





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