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Meine kleine grüne Rose

Rahel schob ihren Zeigefinger in das Loch der Tonkassette und drehte langsam das entworrene Tonband in die Hülle hinein. Sie schob sie in das Radio, drehte auf volle Lautstärke und hörte den ollen Schlager zum bereits hundertsten Male.
„Blumen im Garten, so zwanzig Arten, von Rosen, Tulpen und Narzissen...“
Sie schwang sich in die Lüfte mit der Schaukel, trällerte „kleiner grüner Kaktus“, überblickte den kleinen Garten, und rief zu den Rosen, Tulpen, Mohn und Narzissen, die ihr Großvater mit viel Anstrengung so herrlich gezüchtet hatte: „Kleiner grüner Kaktus. Mein kleiner grüner Kaktus“ ... in die Lüfte schwang sie sich wieder, fiel wieder nach hinten, und wieder vorwärts „...was brauch ich rote Rosen, was brauch ich roten Mohn...“
„Rahel! Was singst du denn da?“
„Holeri, Holeri, Holero“
“Warum beleidigst du meine Blumen? Rahel! Warum machst du das?”
„Holeri, holeri, holero, was brauch ich rote Rosen, was brauch ich roten Mohn, holeri, holero“
„Rahel!“
Die Schaukel kam zu stehen. Rahel erhob sich gemächlich vom Schaukelsitz, blinzelte in die Sonne, atmete die warme Frühlingsluft ein und trat dann vor ihren Großvater.
„Ja, Opa?“
„Rahel, warum hast du meine Blumen verspottet?“ Opa, der alternde grauhaarige Großvater stellte sich vor das Beet seiner Zöglinge.
„Rahel, was hast du gegen meine Rosen, gegen meine Narzissen und Tulpen? Von dem Mohn ganz zu schweigen!“
„Ach Opa, es war ein Lied! Nehme es doch nicht zu ernst!“
„Ernst? Weißt du eigentlich, was mir meine Blumen bedeuten? Ich empfinde es als Beleidigung, wenn du vor meinen Ohren, ganz ungeniert diese unrasierten Kakteen preist.“
„Opa! Und deine Rosen haben also keine Dornen? Und überhaupt, was regst du dich dermaßen auf. Lass uns lieber ´Mensch ärger dich nicht` spielen. Übrigens hat ein Kaktus ungemein viele Vorteile!“
„Was? Ich ärger mich aber über dein unrespektables Verhalten. Was sollen das bitte für welche sein, diese Vorteile? Sag mir doch, was dieses Wüstenkraut mit meinen unbeschreiblich schönen...“ er ging in das Beet und roch bezaubert an seinen Lieblingen „...vergleichbar macht, he?“
„Na zum Beispiel dein krummer Rücken, Opa.“
Und tatsächlich war der Opa gleich einer krummen Banane.
„Das erläutere mal, Rahel.“
„Sieh doch, so ein Kaktus verbraucht nicht gerade viel Wasser“
„Das möge ja stimmen, Rahel. Es ist ja auch ein wertloses Wüstenkraut.“
„Eben deshalb. Weil es ein Wüstenkraut ist. Und du brauchst dich nicht länger so oft bücken, um deinen Rosen und Tulpen Wasser zu geben. Und größer werden sie auch. Du musst dich also sowieso nicht mehr bücken. Und wenn du das bücken misst...“
„Ja, dann?“
„Kaufst du dir einen buckligen Kaktus!“

Im Verlauf der Zeit legte sich der alternde, ergraute Großvater ein Beet voller Kakteen an.
Er pflanzte große, gerade Kakteen, mit riesigen oder kleinen Stacheln und auch einen buckligen. Schweren Herzens entsorgte er seinen Mohn, seine Narzissen, Tulpen und die guten treuen Rosen.
Der Sommer stand in seiner Höhe, der Großvater, endlich zufrieden mit seiner Anschaffung, trat aus dem Gartenhäuschen. Rahel schien wieder Musik zu hören!
Rahel schwang durch die Luft und hörte den Chanson zum 50ten Mal.
Sie trällerte:
„...La vie en Rose. C`est la vie en Rose „ und fiel wieder zurück, und ging dann wieder in die Lüfte. „La vie en Rose“ und sang zu den Kakteen „La vie en Rose, Rose, Rose...“
„Rahel! Warum beleidigst du meine Kakteen? Weißt du denn nicht, was sie mir bedeuten?“
Rahel verließ die Schaukel, genoss das satte grün der Bäume, die Magie der dicken weißen Wolken und trat dann vor ihren Großvater.
„Bedenke, Opa, dass so eine Rose ungemein viele Vorteile hat“
3.1.07 17:48


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