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Teufelswetter

Meine Oma erzählte mir einmal, dass die größten Änderungen, die sie in den letzten Jahren am Wetter feststellte, nicht die heißen Sommer und milden Winter der letzten Zeit waren. So was gab es auch früher mal, nichts außergewöhnliches, als das man daran etwas bemerken würde. Was ihr jedoch auffiel, war die stetige Häufung und zunehmende Stärke der Luftströme, Winde auch, die sie als das eindringlichste Charakteristika des neuen Lieblingsmodewortes des 21. Jahrhunderts(neben Terroranschlag) ausmachte: die berühmt-berüchtigte Klimaerwärmung.
Da ist der Begriff wieder, dessen Klang wohl bei den Meisten ein angsterfülltes Schaudern erzeugt. Überschwemmungen, Tornados, Dürren drängen sich, als Klischeeerfüllte Bilder, auf die Theaterbühne des menschlichen Vorstellungsvermögens.
Mit diesen Gedanken erfüllt, mit der Weisheit meiner Oma ausgerüstet, stand ich auf dem Fensterbrett unseres Hauses. Die etwas ungewohnte Frühlingssonne schien mir aufs Haupt und eben ihr prophezeiter Wind wehte an mir vorbei, und trübte doch merklich die ersten Regungen der warmen Jahreszeit. Mit der alten Sonnenbrille meiner Mutter im Gesicht, echter Siebziger Jahre Stil, stand ich also in einer frühjährlichen Brise und sah aus wie ein Easy Rider, cool den Blick übers weite Land gerichtet. Unbeteiligte Zuschauer(und der Sinnlosigkeit des Lebens auf dem Dorf geschuldet, gab es davon oft mehr, als einem lieb war) mochten mich wohl in diesem Augenblick für einen leicht verrückten Spinner halten, für den ich mich auch selber hielt. Doch mich Paradiesvogel übertrumpfte in diesem Moment das Schauspiel der Luft, das die Gegenstände auf unserem Hof gehörig durcheinander wirbelte. Die billigen Plastikstühle purzelten über die Wiese und knallten gegen im Weg stehende Hindernisse, vorzugsweise die Hofmauer oder die parkenden Autos. Der Katze gefiel das gar nicht so sehr, dass ihr jetzt wild gewordene Gartenmöbel ihren angestammten Platz am Vorderrad des Mercedes streitig machten. Und die Zeitungen aus der Papiertonne feierten eine Karnevalsparty mit reichlich Konfetti.
Langsam begriff ich, was meine Oma damit meinte.

Nach zehn Minuten endete die Vorstellung abrupt. Ein Platzregen spielte den Vorhang, und gab dem Szenario jetzt noch seine reißenden Wässer und Seen. Waren zwar nur Pfützen, aber in Dresden stand das Wasser im Flussbett schon wieder aufrecht, als erfüllte sich grade der Horrortraum der Apokalypse mit Sinnflut.
Doch eher ein Trauerspiel mit reichlich Tränen, dachte ich mir und schloss das Fenster meiner sicheren Arche. `Zwei von jeder Sorte´ leitete mich dann auch beim Aussortieren verschiedener Gummibärchenfarben, die dann ihre sichere Zufluchtsstätte in der dunklen Höhle meines Magens fanden.
Genüsslich kauend freute ich mich über die Fähigkeiten meines Gehirns, die merkwürdigsten Bedeutungszusammenhänge herzustellen, die der Komplexität der Sprache ihre enorme Schönheit geben. Ein passendes Wortspiel gefunden zu haben, erzeugt bei mir ein Glücksgefühl, dass dem des Orgasmus sehr ähnlich ist. Lust durch Sprache- herrlich. So stell ich mit das schöne Leben vor.

Ich glaube, Zeus wäre heutzutage Schlagzeuger. Der Regen, der die ganze Nacht schüttete, wäre dann so was wie sein Hi-Hat und der ohrenbetäubende Donner sein Bass. Gleißende Blitze als nächtliche Lasershow, wie sie in keinem Großkonzert mehr fehlen darf. Mein Kopf hielt das nicht wirklich auf die Dauer aus, als das ich dabei ruhig hätte weiterschlafen können. Als ich dann nach draußen sah, fühlte sich mein aktuelles Weltbild mal wieder bestätigt. Die Plastikstühle schienen sich nicht gerade wohl zu fühlen auf der Veranda. Einer lag jetzt im Kompost, zwei wollten sich wohl ins Teichwasser retten. Zu dumm, dass der Teich durch den Regen so überfüllt war, dass er sie einfach wieder rausspülte und sie jetzt das Rosenbeet zieren mussten, mit einem zappelnden Fisch, der notgedrungen auf ihrem Gesäß Platz fand. Schön so.
Chaos war dann doch immer noch eine meiner Lieblingskomponenten eines Gewitters. Der Alltag kam dabei mal so richtig ins schleudern, Stonewash, und am nächsten Morgen freut man sich auf brandneue Gestalltungsmöglichkeiten des eigenen Hof und Heimes.
Irgendwo fand ich auch meine Regenstiefel. Man kann ja nie wissen, was einem am nächsten Morgen in den wilden Weiten auf dem Weg zum Schulbus alles passieren kann.
Es stürmte weiter, das Wasser peitschte gegen die Fenster, und die Hunde konnten ihre Fresse mal wieder nicht halten. Ein Teufelskreis der Depressiven, vom Unwetter geweckten begann und puschte sich hoch. Hunde weckten Kinder. Kinder weckten Eltern. Unsere Küche füllte sich schnell mit den restlichen Familienmitgliedern. Na gut :
Die Mutter trank nur einen Tee und verfluchte den Hund und das Wetter. Es war ja nicht zum aushalten mit diesem Lärm.

Als dann um sechs mein Wecker klingelte, Schlummertaste – wieder eingenickt – er klingelte wieder – aufstehen, und das Radio einschaltete, völlig übermüdet. Schon wieder Dresden. Schon wieder Flut und dann Musik. Ich ging mich Waschen und ich wurde das Gefühl nicht los, dass etwas nicht stimmte. Als ich dann endlich aufbrechen wollte, die Tür öffnete und nach draußen ging, sah ich, was mich bewegte. Die Sonne schien, die Pfützen trockneten langsam aus und alles schien völlig normal zu sein. Und die Datumfunktion meiner Uhr zeigte den ersten April an…
4.6.06 15:10


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Music makes people

Mich nerven die Angewohnheit mancher Leute, Personen konsequent nach ihren persönlichen Vorlieben einzuordnen oder nach ihrem Beruf. So sind es bei den Erwachsenen die Bauarbeiter und Bankiers, Lehrer und in was man noch so alles einordnen kann. Dementsprechend werden den Leuten dann auch bestimmte Eigenschaften angedichtet. Das erinnert doch stark an den Komplex von Rassisten, jedem Angehörigen anderer Nationen die für ihn geltenden nationalen Eigenarten vorzuhalten. Boa, aus Brasilien? Dann kannste ja bestimmt richtig jut Fußball spielen.
Wat, USA?, ich finde Busch scheiße.
Diese Liste ist wohl bis ins Unendliche fortzuführen.

Richtig lustig wird es, besonders bei Jugendlichen, Menschen nach dem Musikgeschmack zu beurteilen. Das sind die HipHoper- die vergewaltigen immer Frauen. Die Raver, immer auf Drogen. Irgendwas stimmt da nicht, wie ich finde. Ich selbst höre Hip Hop-bin ich jetzt auch Hip Hoper? Und Jazz- ein Jazzer? Oder doch ein Jazz Hip Hoper? Und was ist mit Soul, Elektro, Techno, Chanson. Eine besondere Vorliebe habe ich auch für klassische Musik. Bin ich dann ein Klassiker? Zugegeben- den Gedanken finde ich sehr amüsant. Dann müssten Generationen von Schülern meine schlauen Sprüche auswendig lernen.
4.6.06 15:18


Der lange Hans

Dagmars Sohn war so groß. Fast zwei Meter lang und die Kinder sahen immer zu ihm rauf und flüsterten zu ihren Müttern: „Guck mal, Mama, der ist aber groß“. Die Mütter sagten „das ist der Hans“. Und die Kinder sangen „Der lange Hans, der lange Hans, der lange Hans“ und Hans sah mit einem lachenden und einem weinenden Auge auf sie herab. Dann jagte er sie immer zum Spaß, die Kinder rannten in den nahen Wald und riefen: „Der lange Hans, der lange Hans, der lange Hans“ und versteckten sich zwischen Bäumen und Sträuchern und in Gruben und Löchern. Dagmars Sohn. Groß. Ihm war immer alles zu klein, keine passenden Schuhe und Hosen, Sonderanfertigungen. Er war schlank, schön anzusehen und er liebte Motorräder- richtige Maschinen. Dann bretterte er über die Landstraßen und Waldwege, ein übergroßer Kerl auf Achse und sauste an seiner Mutter vorbei. Dagmar. Sie arbeitete in diesem kleinen Elektronikgeschäft. Als Buchhalterin und sah zur Ablenkung aus dem Fenster, schon wenn sie die Motorgeräusche hörte. Ihr blieb jedes Mal das Herz stehen. Er saß dann wie ein Eis am Stiel auf seiner Kiste. Mit seiner geilen Lederjacke.
Er hatte drei Freunde, mir denen er damals immer fuhr. Einer krachte noch im nächsten Sommer im Vollrauch gegen die Eiche. Der zweite ertrank in Italien und der letzte- soll noch irgendwo hier leben, Familie ,Hund, Haus. Und Hans. Das berüchtigte Quartett.
Irgendwann baute Hans seinen ersten Unfall- ein kleiner Blechschaden.
„Ich mach mir Sorgen“ und Dagmar hielt ihrem Sohn einen Dauermonolog über Sicherheit im Straßenverkehr. „Kein Problem. Der Andere war schuld“ Er tat die Sache mit einer lässigen Handbewegung ab. „Pass auf dich auf“ Dagmar. Flehend. Sein großer Körper verlangte die doppelte Portion, er schlang es hinter und verdrückte sich in sein Zimmer.
Natürlich machten sie Rennen. Wenn die Mutter im Bett lag (der Vater war längst tot), drehte sich der Zündschlüssel und der Motor. Nebeneinander, meistens gegen die Typen aus dem Nachbardorf. Lokalpatriotischer Hass war der Treibstoff in ihren Kanistern, ein mäßiges Publikum am Straßenrand, bestehend aus ein paar Kumpeln der Rennfahrer, und Jeder einen 50er Schein als Einsatz. Der Gewinner kriegt den Pot. Das war die einzige wichtige Regel bevor die Raser ihr gefährliches Spiel begannen. Hans machte allein 200 in diesem Sommer. Es waren Ferien, und sie zelteten bei diesem kleinen See (genau der See- „Kleines Kind ertrinkt vor den Augen seiner Mutter“ stand vor zwei Wochen in der Zeitung.) Am nächsten Morgen wollte Hans zum Bäcker im Dorf fahren. Er schmiss den Motor an.
Sie begann ihre Arbeit. Dagmar machte es sich auf ihrem Stuhl bequem und ordnete den Papierkram. Rechnungen, und noch mal Rechnungen und Belege und ein Kaffe. Vor lauter Stress stößt sie dagegen und tunkt die Papiere in eine braune Soße. Sie beschimpft Gott. Und Hans hat natürlich wieder keinen Helm auf. Ein Insektenvieh flog ihm ins Auge.

Endlich- alles weg. Sie lehnte sich wieder in ihrem Stuhl zurück und guckte auf die Straße.
„Der lange Hans, der lange Hans, Hans, Hans, Hans“ Sie hatte schon wieder geträumt. Draußen fuhr dieser schwarze Wagen am Fenster vorbei. Bei der Hitze muss der Fahrer sicher schwitzen und sie kaute auf ihrem Bleistift herum. Minuten vergingen. Eine halbe Stunde verging und sie hörte wieder einen Wagen. Und wieder der Schwarze. Aus dem Hinterteil des Autos, geöffnete Türen, ragte eine lange, offene Holzkiste. Bestimmt 30 cm hing sie genau über der Straße und warf einen gestreckten Schatten. Der fährt aber langsam. Schwere Fracht und Dagmar warf einen flüchtigen Blick in die Kiste in dem Moment, als der Wagen an ihr vorbei fuhr. Zwei Beine lagen darin.

Der Arme, dachte Dagmar, und wendete sich wieder ihrer Arbeit zu.
5.6.06 19:49


S-Bahn battle

Montag Morgen 2Uhr30?- schon leicht- LEICHT- angetrunken, wie wir da saßen am S-Bahnhof Yorkstraße. Ein kleiner Bäcker auf dem Bahnsteig, und wir bevölkerten die kalten Metallsitze. Ein bekannter hatte Geburtstag und wir kamen gerade von einer leider erfolglosen Suche nach ein bisschen Spaß- einem Mindestmaß an guter Musik, maybe, bei der man sich im Rausch ein wenig ausleben
konnte! Sehr frustriert also! Da kam doch so ein S-bahntyp mit roter Bahnmütze vorbeigelaufen. "Biste n Kommunist?" brüllte einer der unsrigen. Scherzhaft, forderte doch seine Mütze solch ein politisch unkorrektes Kommentar. "Wat willst du?" Er blieb auch noch stehen und durchbohrte mich mit seinem Security-controll view. "Ob du ein Kommunist bist, wollt ich wissen. Hast sone schöne rote Mütze." Er antwortete mir nicht und ging weiter. ...20 Minuten bis die Bahn kommt. Getrieben vom Ethanol streifte ich mit einem Freun über den Bahnsteig und, siehe da- machten wir eine folgenreiche Entdeckung. Ein handelsüblicher Marktkarton mit Plastikschachteln stand auf einem Sitz- "FRISCHE GEMÜSEERBSEN- BESTE QUALITÄT" Wie geil war das denn! Da findet man mitten in der Nacht(oder am frühen dämmernden Morgen) acht Schachteln gefüllt mit harten Erbsen. Wir griffen uns den Karton, ich nahm eine Hand voll Erbsen heraus und warf sie in die Luft. "Karneval!" Nahm noch ne Hand voll, lief zurück zu unsern Leutchens und warf ihnen erstmal eine Ladung Erbsen über die Köpfe. Ich ging zurück und holte die restlichen Kartons, als uns eine Gruppe junger Männer ansprach( man könnte sie wie folgt beschreiben- aufgegelte Haare und leicht prolliges auftreten). "Könn wir auch ein paar Erbsen haben?" Dazwischen: Wir machten aus, dass wir in der S-bahn eine kleine Erbsenschlacht machen. Blabla möge der bessere gewinnen, Kampfgeschreie wer der bessere sei, ach stimmt ja- die S-Bahn kam.
Wir stiegen in den selben Waggon wie die "Gruppe junger Männer"- kurz: GMs. Wir warfen uns Mac Giver like hinter die Sitze und feuerten ne Salve Erbsen aus unseren MGs äh Händen auf die GMs- naja, diese setzten sich erstmal seelenruhig auf eine vierer Bank. Dafür schrie uns ein Proll in schickem Anzug erstmal fett zusammen "wat das soll ich trete euch gleich verpisst euch lasst diesen scheiß gefälligst" Und die GMs bewegten sich nicht. Wir zogen uns quasi in einen anderen Teil der Bahn zurück und warteten erstmal ab, was passieren wird.- nichts. "Nächster Halt Schöneberg" Einsteigen bitte" Zurückgleiten bitte" NICHTS! Stattdessen guckte uns eine Frau, die gegenüber saß, schief an. Noch nie jemanden gesehen, der vier Schachteln Erbsen auf seinem Schoß hat? Nächste Station.Die Türen gehen zu.GMs fangen laut an zu lachen. Der erste Wurf traf mich mitten ins Gesicht. "Ficker" Der Proll mit Anzug brüllte die GMs an. Die warfen wieder. Mein Freund ließ sich dass nicht zweimal sagen, und ich schmetterte zurück. Gemüsebattle. Die Frau uns gegenüber"Einmal noch und ihr putzt die S-bahn" "Okay" Ich ließ es sein, aus den Reihen der Gms kams wieder hervor. "Ach scheiß drauf" und warf den ganzen Inhalt der Schachtel auf die Typen.
Anzugproll sprang auf , rannte zu mir"FINDEST DU DAS ETWA LUSTIG? HASTES JETZT BALD?" "nein, finde ich nicht lustig" und guckte ganz betrübt. Als er sich umdrehte, prustete ich und "meine Leute"(die schauten sich das ganze Spektakel von sicheren Plätzen aus an) los, er (Proll mit Anzug *hehe*) boxte mit seiner Faust gegen eine S-Bahnscheibe und fluchte laut. Und dann bekam er noch ne Lebensmittelration Erbsen zugeschoben.
Zum Schluss standen die GMs um den Anzugproll, streuten Erbsen über sein Haupt, der rastete vollkommen aus und schlug wild um sich. Die nächste Station kam- GMs stiegen aus, ein wütender Proll schmollte auf seinem Platz. Ich konnte gar nicht mehr aufhören zu Lachen, war froh, keins aufs Maul bekommen zu haben(wieder nicht: Glück gehabt), der boden der S-bahn sah aus wie eine Müllkippe und irgendwie wars ein geiles Feeling. Schade, dass wir keine Videokamera dabei hatten.
5.6.06 21:42


Pariser Hund

Ein Hund, der seine Schlappohren von einem Ventilator durch die Luft wirbeln ließ und ein lächelnder Mann, der einen Dachstuhl eines Pariser Hauses erklomm, ich, sitzend, schlürfend, träumend in einem Cafe- Pariser Cafe oder wie man es dort nennt, einen Salon de the. Und ich rührte seit etlichen Minuten in meinem Kaffee. Ein älterer Herr ging den kleinen Seitenweg entlang, pfiff eine bekannte französische Melodie und blieb vor dem Hund stehen, streichelte ihn und sagte ein paar französische Sätze zu dem Hund. Avec moi, avec moi, avec moi. Der Hund drehte seinen Kopf vom Ventilator weg und schaute den Mann an. Seine großen, bekanntlich treuen Hundeaugen wurden ganz matt; er bellte kurz und drehte seinen Kopf wieder zum Wind. Der Mann schien sichtlich erregt. „Avec moi“ lauter und deutlicher, in einem doch sehr störenden Befehlston, worauf ich meinen Löffel mit etwas Sahne füllte und zum Spaß auf den alten Greis ziele. Der Mann, ich nenne ihn jetzt mal Hugo und Hugo trug keine Baskenmütze, griff den Hund bei seinen Schlappohren, der Hund heulte und Hugo rannte los. „Bernard!“ kam es vom Dach herunter. Der lächelnde Mann schien auf einmal nicht mehr so erheitert- vom Dach über dem vierten Stock seilte er sich ab- immer wieder stieß er sich von der Wand ab und stand dann, genau neben mir auf dem Boden- klick –hatte er den Gürtel abgeschnallt- ein dünner Kerl war das, mit roten Haaren und einer blauen Weste, einer Art alte Polizei Weste, fluchte er einmal kräftig Diablo und stürmte los. Ich warf das Geld auf den Teller, der Kaffee schmeckte mir nicht, und lief hinterher. Durch dünne Gassen mich quetschend, versuchte ich dem Hauskletterer auf den Fersen zu bleiben und keuchte bereits, als wir an einem großen Pariser Platz ankamen. Auf dem Springbrunnen stand bereits Hugo- er hatte den Hund unterm Arm und trug jetzt einen Herrenhut und ein Barbiermesser lag in seiner Hand. „Diablo“ rief sein Verfolger, „avec moi“ erwiderte der alte Mann und schnitt das rote Hunde Halsband ab. Hugo hastete wieder los, diesmal in die Unterwelt- passende Diablo Rufe schallten durch die U-bahn Station. Die U-bahn kam, und wir hatten gerade noch Zeit, in den letzten Wagen einzusteigen, die Bahn hielt, die kurze Verschnaufpause war wieder vorbei, und die Jagd ging weiter. Warum nicht, dachte ich mir, so kann man Paris auch besichtigen, unscheinbare Straßen entpuppten sich als wahre Perlen des Pariser Geistes, Frauen und Männer und Kinder, erregte Dialoge, Fußball auf der Straße und dazwischen ein Wettrennen, ein wahres Hundeleben war das. Vor einer kleinen Parkbrücke hielt der Greis an, setzte sich auf eine Bank und atmete tief durch. Durch die Bäume konnte er wohl den Haussteiger nicht sehen, dieser warf sich aber- plumps- wie ein Kunstspringer über die Bank und griff den Hund- ein Ohr und das andere hatte der Greis und sie begannen zu ziehen. Dem kleinen Hund quollen die Augen hervor, er bellte, zappelte, versuchte zu beißen. Ich setzte mich neben einen Zeichner, der die Szene aufmerksam betrachtete und sie einzufangen begann- man sah auf seiner Leinwand einen lang gezogenen Polizisten und einen alten Methusalem. Darunter schrieb er „teilt den kleinen in zwei Teile, damit jeder ein Stück von ihm hat“ und spielte damit, ziemlich intelligent, wie ich fand, auf das biblische salomonische Urteil an. Wer ist hier die wahre Mutter? Der Hund biss zu, sprang in den Bach und schwamm davon, dicht gefolgt von den zwei Streithähnen, die jetzt durchnässt ihre Schwimmkünste unter Beweis stellten. In meinem Kopf spielte sich währenddessen eine schnelle Verfolgungsmusik, wie man sie aus dem Trickfilm kennt, ab. Irgendwann kamen wir wieder am Anfangspunkt an. Der Hund hechtete zu dem Ventilator, drehte sich um und fletschte die Zähne. Ich setzte mich, wohl wissend, dass meine Kräfte bis zum Äußersten beansprucht wurden, in das Cafe. Ein kleines Kind kam aus dem Haus auf der anderen Straßenseite gelaufen. Es pfiff, der Hund lief zu ihm, schüttelte sich, das Kind tadelte ihn, weil es dadurch ganz nass geworden war und sie verschwanden im Haus. Währenddessen rauften sich die beiden Herren auf der Straße, riefen Diablo und avec moi und ich bestellte mir einen Kuchen. Paris…
15.6.06 13:16


Bald gibts wieder was Neues- spätestens wenn meine manische Seite wieder siegt, der Koffeinprozentsatz in meinem Blut optimal ist odere einfach: wenn alle Bedingungen in meiner äußeren Umgebung( sowie meine innere Kondition) perfekt sind, sowie die Battarien in meiner Funktastatur noch genug Saft haben.
Die folgenden Begebenheiten, als Vorschau quasi, werden das (tatsächlcih real erlebte) Thema sein:

Unfreundliche Italiener- eine Geschichte mit Action, Gebrüll und schlechtem Essen
Hauptbahnhof- eine etwas andere Impression von der Eröffnung des Berliner Hauptbahnhof
und last but not least eine kleine Anekdote meines Schwedenurlaubs im letzten Sommer "Wir suchen..."

und natürlich "Eine Liebeserklärung an mein Asthmaspray"

Sehr lustig, sehr freakig, sehr viele Erlebnisse, die nunmal nur einem Kaffeejunkie passieren können.
Kennt jemand Tweek von South Park? "Kaffee, Kaffee, KAFFEE"
oder Gilmoure Girls "Ein Pfund Kaffee für eine Kanne"

Ohne Worte, ohne Sahne
23.6.06 11:34





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